(Wien, 23-04-2026) Die Medizinische Universität Wien hat die Veronika-Fialka-Moser-Diversitätspreise 2026 verliehen. Ausgezeichnet wurden Arbeiten und Projekte in den Kategorien Diplom-/Masterarbeiten und Engagement, die unterschiedliche Dimensionen von Diversität in Medizin, Gesundheitsversorgung und Ausbildung aufgreifen. Die prämierten Beiträge reichen von Palliative Care und queeren Perspektiven im medizinischen Arbeitsalltag bis zu transkultureller Psychiatrie, humanitärer Chirurgie und internationaler Ausbildungskooperation.
Der Veronika-Fialka-Moser-Diversitätspreis der MedUni Wien würdigt Beiträge, die Vielfalt in der Medizin sichtbar machen und strukturelle Verbesserungen für Patient:innen, Studierende und Mitarbeiter:innen anstoßen. Die diesjährigen ausgezeichneten Arbeiten und Projekte befassen sich unter anderem mit barrierearmer Kommunikation, queerer Sichtbarkeit im Gesundheitswesen, psychischer Gesundheit unter Krisenbedingungen, kultursensibler Versorgung sowie internationaler Zusammenarbeit im Aufbau medizinischer Angebote.
Kategorie Diplom-/Masterarbeiten
1. Platz: Sarah Winsauer – „Das Erleben der Palliative Care in Form eines Comics: Qualitative Studie mit betroffenen Patient:innen“
Die Arbeit untersucht, wie Comics als Medium zur Information über Palliative Care wahrgenommen werden. Die Ergebnisse: Ein Medical Graphic über Palliative Care kann konkretisierend, auflockernd, beruhigend und ansprechend erlebt werden. Das kunstvolle Aufklärungsmaterial kann auch zu einem Perspektivenwechsel weg von Endgültigkeit, hin zu positiveren Assoziationen mit dem Fachbereich führen. Besonders ist, dass sechs Palliativpatient:innen in die Entwicklung des Aufklärungs-Comics einbezogen wurden, wodurch Erfahrungen von Betroffenen direkt in die Gestaltung eingeflossen sind.
2. Platz: Melanie Giwiser – „Wenn ich darüber nachdenken muss, dann ist es schon nicht dasselbe“: Erfahrungen von queeren Mediziner:innen im Arbeitsalltag
Melanie Giwiser liefert mit ihrer Arbeit einen ersten systematischen Einblick in die Erfahrungen queerer Medizinstudierender und Ärzt:innen in Ausbildung in Österreich. Auf Basis von 17 qualitativen Interviews zeigt die Arbeit, dass viele Betroffene im Arbeitsalltag mit Minority Stress, Diskriminierungserfahrungen, Cis-Heteronormativität und dem Druck, die eigene Identität verbergen zu müssen, konfrontiert sind. Zugleich macht die Studie deutlich, dass queere Mediziner:innen wichtige Beiträge zu einer sensibleren Versorgung queerer Patient:innen leisten können. Daraus leitet die Arbeit strukturelle Empfehlungen ab, darunter mehr Sichtbarkeit queerer Themen, respektvolle Kommunikationskultur sowie eine stärkere Verankerung von Queer-Health-Inhalten im Curriculum.
3. Platz: Nora Rosenberg, Klara Rosta, Antonia Mazzucato-Puchner – „Implications of the COVID-19 Pandemic for Sexuality, Family Planning, and Mental Health Among Women of Reproductive Age with Rheumatic Diseases“
Im Rahmen der Diplomarbeit wurde eine prospektive Fragebogenstudie zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Sexualität, Familienplanung und psychische Gesundheit bei Frauen mit rheumatischen Erkrankungen im reproduktiven Alter durchgeführt. Zwischen den untersuchten Gruppen zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede bei Familienplanung, sexueller Funktion sowie Depressions- und Angstsymptomen; Frauen mit rheumatischen Erkrankungen berichteten jedoch über weniger Stress und geringere Angst vor dem Coronavirus. Der Zugang zu kontinuierlicher rheumatologischer Betreuung erwies sich als wichtigster Prädiktor für die psychische Gesundheit. Die Ergebnisse deuten auf Resilienz hin und unterstreichen die Bedeutung kontinuierlicher medizinischer Betreuung für die psychische Gesundheit in Krisensituationen.
Kategorie Engagement
1. Platz: Viktoria König – „Humanitäre mikrochirurgische Rekonstruktionen in Ostafrika“
Das Projekt umfasst ein mehrjähriges Engagement in der chirurgischen Versorgung von Patient:innen in ressourcenlimitierten und kriegsbetroffenen Regionen, insbesondere in Tigray in Nordäthiopien. Seit 2019 wurden dort komplexe rekonstruktive Eingriffe bei schweren Schuss- und Explosionsverletzungen durchgeführt. Ein zentraler Bestandteil ist der nachhaltige Aufbau mikrochirurgischer Expertise gemeinsam mit lokalen Teams im Sinne eines „Train-the-Trainer“-Konzepts. Das Projekt verbindet hochspezialisierte Medizin mit globaler Verantwortung, interkultureller Zusammenarbeit und nachhaltiger Wissensweitergabe.
2. Platz: Josef Baumgartner – Spezialambulanz für transkulturelle Psychiatrie und migrationsbedingte psychische Störungen
Die Spezialambulanz an der Klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie richtet sich an Menschen, deren psychische Gesundheit durch Migration, Fluchterfahrung, sprachliche Barrieren oder Diskriminierung belastet ist. Das Angebot setzt auf eine niederschwellige, kultur- und traumasensible Versorgung und arbeitet eng mit dem Therapiezentrum hemayat zusammen. Maßnahmen wie Videodolmetschdienste, die Einbindung von Angehörigen und die Koordination wohnortnaher Weiterbehandlungen sollen die Versorgungsqualität verbessern und strukturelle Barrieren abbauen.
3. Platz: Daniela Gompelmann, Christina Bal, Christian Stanislaw – „Bronchoscopy without obstacles“
Ziel des Projekts ist der Aufbau eines permanenten Bronchoskopieservices in Kumasi in Ghana. Obwohl die notwendige Ausstattung vor Ort vorhanden ist, fehlte es bisher an Ausbildung und Routine in der Durchführung. Durch einen Bronchoskopie-Kurs im Jahr 2024 und eine vertiefende Fortsetzung im Jahr 2025 konnten Ärzt:innen und Pflegepersonal vor Ort schrittweise an die eigenständige Durchführung herangeführt werden. Das Projekt zeigt, wie medizinische Ausbildung, interkulturelle Zusammenarbeit und nachhaltiger Kompetenzaufbau zusammenwirken können.