(Wien, 02-02-2026) Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit rund 37 Prozent die häufigste Todesursache bei Frauen – in Österreich ebenso wie weltweit. Dennoch werden Risiken, Symptome und Krankheitsverläufe bei Frauen noch immer unterschätzt. Die Medizinische Universität Wien beteiligt sich daher an der #GoRed-Kampagne und macht gezielt auf frauenspezifische Aspekte der Herzgesundheit aufmerksam.
Ein Großteil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen wäre vermeidbar. Fünf veränderbare Risikofaktoren – Übergewicht, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Bluthochdruck und Rauchen – sind für mehr als die Hälfte der Erkrankungen verantwortlich. Besonders relevant ist dabei, dass Diabetes und Adipositas das kardiovaskuläre Risiko bei Frauen stärker erhöhen als bei Männern. Bluthochdruck gilt als stärkster einzelner Risikofaktor und steigert das Risiko bei Frauen um etwa 30 Prozent.
„Wir wissen heute sehr genau, dass Prävention bei Frauen anders ansetzen muss als bei Männern“, sagt Alexandra Kautzky‑Willer, Stoffwechselexpertin und Gendermedizinerin an der Medizinischen Universität Wien. „Früherkennung von Diabetes, konsequente Blutdruck- und Lipidkontrolle sowie Lebensstilmaßnahmen haben bei Frauen einen besonders hohen präventiven Effekt.“
Lebensphasen mit besonderem Risiko
Frauen durchlaufen Lebensphasen mit spezifischen kardiovaskulären Risiken. Zyklusstörungen oder unerfüllter Kinderwunsch können bereits in jungen Jahren Hinweise auf ein erhöhtes Risiko sein. Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, Schwangerschaftsbluthochdruck oder Schwangerschaftsdiabetes gelten als frühe Marker für ein lebenslang erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko und erfordern eine gezielte Nachsorge. Auch eine frühe Menopause stellt einen bedeutenden Risikofaktor dar. „Diese geschlechtsspezifischen Risikofaktoren müssen systematisch erfasst und ernst genommen werden“, betont Kautzky-Willer. „Sie bieten eine große Chance, Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen frühzeitig zu verhindern.“
Psychische Gesundheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Ein weiterer zentraler Aspekt ist der enge Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen. Stress, Depressionen und Angststörungen beeinflussen das kardiovaskuläre Risiko messbar. Studien zeigen, dass Frauen auf chronischen Stress mit stärkeren Entzündungsreaktionen und Veränderungen der Gefäßfunktion reagieren. Psychosoziale Interventionen und Stressreduktion im Rahmen einer multifaktoriellen Risikoreduktion können das Sterberisiko bei herzkranken Frauen deutlich senken.
„Herz und Psyche sind bei Frauen besonders eng miteinander verbunden“, so Kautzky-Willer. „Deshalb brauchen wir eine ganzheitliche Betrachtung, die mentale Belastungen genauso berücksichtigt wie klassische medizinische Risikofaktoren.“
Mehr Forschung und mehr Awareness
Frauen sind in klinischen Studien nach wie vor unterrepräsentiert und erleben häufiger Fehldiagnosen oder Verzögerungen in der Notfallbehandlung. Alexandra Kautzky-Willer setzt sich für mehr geschlechtersensible Forschung, eine verbesserte Diagnostik und eine stärkere Berücksichtigung frauenspezifischer Symptome in medizinischen Leitlinien ein. Mit ihrem Engagement im Rahmen von Go Red wollen die Fachleute dazu beitragen, das Bewusstsein für Frauenherzgesundheit in der Bevölkerung zu stärken und langfristig die Versorgung von Patientinnen zu verbessern.
Über #GoRed Austria
#GoRed Austria ist eine österreichweite Awareness-Kampagne, die die Herzgesundheit von Frauen in den Mittelpunkt rückt und über geschlechtsspezifische Risiken, Symptome und Prävention informiert. Ziel ist es, Bewusstsein zu schaffen, zum aktiven Handeln für die Herzgesundheit zu motivieren und die Wahrnehmung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen in der Öffentlichkeit zu verändern. Die Initiative umfasst Informationsangebote, öffentlichkeitswirksame Aktionen und den jährlichen #GoRed Day (6. Februar 2026), an dem Menschen mit roten Kleidungsstücken oder Accessoires ein sichtbares Zeichen setzen. Die Kampagne wurde von Expertinnen aus Medizin, Kommunikation und Gesundheitsorganisationen initiiert. Alexandra Kautzky-Willer und ihre Meduni-Wien-Kolleg:innen Jolanta Siller-Matula (Kardiologie) und Daniel Zimpfer (Herz- und Thorakale Aortenchirurgie) sind im Medizinischen Beirat. https://gored.at/