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Hantavirus: Immunantwort auf Puumala-Virusinfektion untersucht

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(c) 2020 Kateryna Kon/Shutterstock

(Wien/Graz, 21-01-2026) In Österreich werden jährlich im Schnitt 20 bis 25 Infektionen mit dem Hantavirus, insbesondere mit der Puumala-Variante, diagnostiziert, in manchen Jahren wurden sogar mehr als 200 Fälle festgestellt. Bisher war nicht bekannt, wie lange die bei einer durchgemachten Puumala-Virusinfektion erworbene Immunität mit Produktion von Antikörpern anhält und ob diese Antikörperantwort auch gegen andere Hantaviren gerichtet und somit eventuell schützend ist. Nun hat eine internationale Forschungsgruppe um Robert Krause von der Medizinischen Universität Graz und Florian Krammer, Professor für Infektionsmedizin an der MedUni Wien und Leiter des interuniversitären Ignaz Semmelweis Instituts, erforscht, welche Immunantworten bei steirischen Puumala-Virus-Patient:innen hervorgerufen werden. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „eBioMedicine“ veröffentlicht.

Im Rahmen der longitudinalen Kohortenstudie wurde die Immunantwort von etwa 20 Patient:innen im Detail charakterisiert. Alle untersuchten Personen entwickelten eine starke neutralisierende Immunantwort gegen das Puumala-Virus. Interessanterweise wurde diese Immunantwort über einen Beobachtungszeitraum von etwa sechs Monaten stärker. Weiters konnte auch beobachtet werden, dass die Immunantwort im Lauf der Zeit breiter wirksam wurde und viele Patient:innen auch neutralisierende Antikörper gegen entfernt verwandte Hantaviren wie etwa das Südamerikanische Andes-Virus entwickelten. Ferner veränderte sich auch die Zusammensetzung der Antikörperantwort über Monate in ähnlicher Weise wie das etwa bei Ebola-Virusinfektionen beobachtet wurde, wo sich das Virus oft auch noch nach Abklingen der Symptome in bestimmten Organen halten kann.

„Es ist natürlich sehr beruhigend zu sehen, dass sich nach der Infektion eine starke neutralisierende Antikörperantwort entwickelt, die wahrscheinlich vor einer Re-Infektion schützt“, fasst Stefan Hatzl, einer der beiden Erstautoren der Studie und Intensivmediziner an der Med Uni Graz, zusammen. „Und es wäre jetzt natürlich auch sehr wichtig herauszufinden, ob sich das Virus wirklich für einige Zeit im Körper hält und natürlich auch wo“, erklärt der Mediziner weiter.

„Die breit-neutralisierende Immunantwort, die wir beobachten konnten, könnte die Basis für Impfstoffe bilden, die gegen eine Vielzahl von weltweit vorkommenden Hantaviren schützt. Weiters könnten solche Antikörper auch als Therapie eingesetzt werden, an deren Entwicklung wir gerade sehr intensiv arbeiten“, blicken Florian Krammer und Robert Krause in die Zukunft. Die beiden Studienleiter planen, ihre Arbeit an Puumala-Virusinfektionen in der Steiermark auch im Rahmen des Ignaz Semmelweis Instituts, einer interuniversitären Einrichtung zur Erforschung von Infektionskrankheiten, weiterzuführen.

Hantavirusinfektionen, die in Österreich vor allem in der Steiermark und im östlichen Kärnten vorkommen, verursachen leichte bis lebensbedrohliche Erkrankungen mit Nieren-, Lungen-, und Kreislaufversagen. In Nord- und Südamerika (Sin- Nombre- und Andes-Virus) endet die Infektion bei rund 40 bis 50 Prozent der Fälle tödlich, in Österreich ist die Todesrate mit rund einem bis vier Prozent deutlich geringer. Hantaviren, in Österreich vor allem die Variante Puumala-Virus, werden von Rötelmäusen über getrocknete Ausscheidungen auf Menschen übertragen. Das passiert häufig beim Putzen von Garagen oder Gartenhäuschen und bei Arbeiten im Garten oder in der Landwirtschaft. In Österreich werden im Schnitt rund 20 bis 25 Fälle jährlich diagnostiziert, wobei in manchen Jahren (zum Beispiel 2012, 2019, 2021) mehr als 200 Fälle festgestellt wurden.

Publikation: eBioMedicine
Cross-binding antibodies capable of neutralising diverse hantaviruses are produced in response to Puumala virus infection.
Jordan Clark*, Stefan Hatzl*, Kirill Vasilev, Robert Andreata-Santos, Jeremy S. Yong, Eva Mittler, Ezgi Kasikci, Kartik Chandran, Viviana Simon, Robert Krause& and Florian Krammer&
DOI: 10.1016/j.ebiom.2025.106091 
https://www.thelancet.com/journals/EBIOM/article/PIIS2352-3964(25)00541-9/fulltext