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Drei Wissenschaftspreise für die Viszeralchirurgie der MedUni Wien

Rebecca Zirnbauer und Johannes Längle beim 67. Österreichischen Chirurgiekongress mehrfach ausgezeichnet
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Bild: privat
v.l.n.r.: Sebastian Roka, Klaus Emmanuel, Rebecca Zirnbauer, Albert Tuchmann

(Wien, 02-07-2026) Beim 67. Österreichischen Chirurgiekongress (17.–19. Juni 2026, Salzburg Congress) wurde die Klinische Abteilung für Viszeralchirurgie der Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie der MedUni Wien gleich dreifach ausgezeichnet. Rebecca Zirnbauer und Johannes Längle erhielten den Theodor-Billroth-Preis und den Wissenschaftspreis der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie (ÖGCH) sowie den Preis der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgische Onkologie (ACO-ASSO) – gemeinsam dotiert mit 15.000 Euro.

Beim 67. Österreichischen Chirurgiekongress, der von 17. bis 19. Juni 2026 unter dem Motto „Wo sind die Grenzen?“ im Salzburg Congress stattfand, wurde die translationale Krebsforschung der Klinischen Abteilung für Viszeralchirurgie gleich mit drei Preisen gewürdigt. Die Österreichische Gesellschaft für Chirurgie (ÖGCH) und die Österreichische Gesellschaft für Chirurgische Onkologie (ACO-ASSO) zeichneten damit Arbeiten aus, die klinische und experimentelle Onkologie eng miteinander verbinden.

Theodor-Billroth-Preis der ÖGCH für Rebecca Zirnbauer
Den Theodor-Billroth-Preis der ÖGCH für die beste wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der klinischen und experimentellen Chirurgie erhielt Rebecca Zirnbauer. Ausgezeichnet wurde eine Studie, in der erstmals bestimmte kurze RNA-Abschnitte – sogenannte tRNA-Fragmente – als prognostische Biomarker bei Lebermetastasen von Darmkrebs identifiziert werden konnten. Lebermetastasen sind die häufigste Ursache krebsbedingter Todesfälle bei Darmkrebs.
Mittels Small-RNA-Sequencing analysierte das Team Tumorproben operierter Patient:innen. Dabei zeigte sich ein gegensätzliches Bild: Während tRNA-Fragmente aus dem Zellkern zu 94 % mit einer ungünstigen Prognose assoziiert waren, signalisierten mitochondriale Fragmente in rund einem Viertel der Fälle (26 %) einen günstigeren Verlauf – unabhängig von bereits etablierten klinischen Parametern. Die Arbeit wurde im Journal of Translational Medicine publiziert.

Wissenschaftspreis der ÖGCH für Johannes Längle
Mit dem Wissenschaftspreis der ÖGCH für die beste wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der klinischen Forschung wurde Johannes Längle ausgezeichnet. Die prämierte randomisierte Phase-2-Studie untersuchte eine duale Immuntherapie aus Ipilimumab und Nivolumab in Kombination mit Chemoradiotherapie bei lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom.
Zentrales Ergebnis: Die Immuntherapie vor der Operation führte nicht zu mehr chirurgischen Komplikationen. Zugleich erreichten 37 % der operierten Patient:innen ein starkes Tumoransprechen (major pathologische Response) und 22 % eine vollständige Remission, bei nur 6 % schweren immunvermittelten Nebenwirkungen. Bemerkenswert ist, dass sich klinische Aktivität trotz des bislang als immuntherapieresistent geltenden mikrosatellitenstabilen Tumortyps zeigte. Die Studie erschien in JAMA Network Open.

ACO-ASSO-Preis 2026 für Rebecca Zirnbauer
Den ACO-ASSO-Preis 2026 für die beste Arbeit auf dem Gebiet der klinischen und experimentellen chirurgischen Onkologie erhielt erneut Rebecca Zirnbauer. Die ausgezeichnete Arbeit aus der prospektiven CHINOREC-Studie beschreibt eine bislang kaum beachtete Nebenwirkung der neoadjuvanten Immuntherapie: Patient:innen mit Rektumkarzinom, die Immuncheckpoint-Inhibitoren in Kombination mit Chemoradiotherapie erhielten, entwickelten überraschend häufig eine schwere Muskelschädigung (Myositis).
6 von 50 Patient:innen (12 %) wiesen eine histologisch bestätigte Myositis auf – deutlich mehr als die sonst unter 1 % liegende Inzidenz. Das Team konnte zeigen, dass vor allem CD8-positive T-Zellen die Schäden verursachen, und mit dem kardialen Troponin cTnI einen Biomarker etablieren, der zuverlässig zwischen Herz- und Skelettmuskelbeteiligung unterscheidet. Da die Erkrankung unbehandelt eine hohe Sterblichkeit aufweisen kann, ist die frühe Diagnose entscheidend. Die interdisziplinäre Arbeit wurde im Journal MedComm veröffentlicht.


Publikationen

Differential prognostic roles and clinical implications of mitochondrial and genomic tRNA-derived fragments in colorectal liver metastases.
Zirnbauer R, Ammon D, Renner A, Hartman N, Kalinina P, Starlinger P, Stremitzer S, Schwarz C, Kaczirek K, Bergmann M, Pils D, Laengle J. J Transl Med. doi: 10.1186/s12967-025-06850-3

Dual immune checkpoint inhibition in combination with neoadjuvant chemoradiotherapy in rectal cancer: A randomized clinical trial.
Laengle J, Kuehrer I, Kulu A, Kabiljo J, Ammon D, Zirnbauer R, Stift A, Herbst F, Dauser D, Monschein M, Razek P, Haegele S, Biebl M, Geinitz H, Petzer AL, Hulla W, Müllauer L, Pils D, Widder J, Bittermann C, Tamandl D, Laengle F, Schmid R, Bergmann M. JAMA Netw Open. 2025;8(8):e2527769. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.27769

Incidence and Immunopathology of Myositis in Rectal Cancer Patients Treated With Neoadjuvant Immune Checkpoint Inhibitors and Chemoradiotherapy: Findings From the CHINOREC Trial.
Zirnbauer R, Hametner S, Bergler-Klein J, Kuehrer I, Kulu A, Ammon D, Kabiljo J, Stift A, Schmid R, Müllauer L, Bittermann C, Laengle F, Machold K, Blüml S, Bergmann M, Laengle J. MedComm. 2025;6:e70275. doi: 10.1002/mco2.70275