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Anwendung Intravenöser Immunglobuline bei entzündlichen Muskelerkrankungen untersucht

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(c) 2020 Alona Siniehina/Shutterstock

(Wien, 27-03-2026) Intravenöse Immunglobuline (IVIg) werden zunehmend in der Behandlung idiopathischer entzündlicher Myopathien (IIM) eingesetzt – insbesondere bei komplexen oder therapieresistenten Verläufen. In einer großen internationalen Studie unter der Leitung der Klinischen Abteilung für Rheumatologie der Medizinischen Universität Wien wurde nun erstmals ein umfassender Überblick über die reale Anwendung von IVIg in der klinischen Praxis weltweit erstellt. Die in EULAR Rheumatology Open veröffentlichten Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in der Anwendung von IVIg zwischen Ländern, Fachrichtungen sowie Gesundheitssystemen und machen bestehende Lücken zwischen klinischer Praxis und Evidenz sichtbar.

Die Studie wurde unter der Leitung von Kastriot Kastrati, Helga Lechner-Radner (beide von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien) und Hectory Chinoy (Universität Manchester, Großbritannien) im Rahmen des internationalen MyoNet-Netzwerks durchgeführt. Insgesamt lieferten 68 Zentren aus 27 Ländern Daten zu ihren Behandlungsstrategien. „Unser Ziel war es, ein realistisches Bild davon zu gewinnen, wie IVIg im klinischen Alltag tatsächlich eingesetzt wird“, erklärt Erstautor Kastriot Kastrati die Ausgangslage. „Dabei zeigte sich, dass Therapieentscheidungen nicht nur von klinischen Faktoren, sondern auch stark von lokalen Rahmenbedingungen und der Verfügbarkeit beeinflusst werden.“ – „Die Ergebnisse unterstreichen den dringenden Bedarf an harmonisierten, evidenzbasierten Empfehlungen“, ergänzt Helga Lechner-Radner. „Gleichzeitig wird deutlich, dass der Zugang zu innovativen Therapien wie IVIg weltweit ungleich verteilt ist – ein zentrales Thema für die zukünftige Versorgung.“

Idiopathische entzündliche Myopathien sind eine heterogene Gruppe von Autoimmunerkrankungen mit Muskel- und Organbeteiligung. Intravenöse Immunglobuline sind Antikörper, die über eine Infusion direkt in die Vene gegeben werden, um das Immunsystem zu unterstützen oder Fehlsteuerungen entgegenzuwirken. Während Kortikosteroide und klassische Immunsuppressiva weiterhin die Basistherapie darstellen, wird IVIg zunehmend bei therapieresistenter Erkrankung, rasch progredienten Verläufen und/oder schweren Manifestationen wie Dysphagie eigesetzt. Der aktuellen Untersuchung zufolge wurde IVIg bei Dermatomyositis (85,3 %) und immunvermittelter nekrotisierender Myopathie (82,4 %) am häufigsten angewendet.  

Globale Unterschiede 
Die Studie zeigt außerdem, dass IVIg selten als Erstlinientherapie eingesetzt wird, jedoch eine zentrale Rolle als Zweit- oder Drittlinientherapie einnimmt. Häufig erfolgt die Anwendung in Kombination mit anderen immunsuppressiven Therapien. Besonders relevant ist, dass IVIg häufig in klinischen Situationen zum Einsatz kommt, für die nur begrenzte Evidenz vorliegt, darunter Dysphagie, interstitielle Lungenerkrankung und kardiale oder gastrointestinale Manifestationen. Dies verdeutlicht den Bedarf an weiterer Forschung. Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist der deutliche Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf den Zugang zu IVIg. Zentren in Ländern mit niedrigerem Einkommen berichteten signifikant häufiger über Einschränkungen durch Kosten und Verfügbarkeit. Damit wird klar, dass Therapieentscheidungen nicht nur medizinisch, sondern auch strukturell geprägt sind.

Die Studie liefert erstmals einen weltweiten Überblick über die reale Anwendung von IVIg bei Myositis und identifiziert wichtige Ansatzpunkte für zukünftige Forschung. Die Ergebnisse unterstützen die Entwicklung international abgestimmter Behandlungsstrategien, die sowohl wissenschaftliche Evidenz als auch reale Versorgungsbedingungen berücksichtigen.

Publikation: EULAR Rheumatology Open
International IVIg prescription patterns in idiopathic inflammatory myopathies: real-world insights from the MyoNet survey.
Kastriot Kastrati et al.
DOI: 10.1016/j.ero.2026.02.012
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S3050708126000297?via%3Dihub