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WHO-Nichtrauchertag: Verschärfter Jugendschutz als präventives „Muss“

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(Wien, 30-05-2017) Rund 11.000 ÖsterreicherInnen sterben jährlich an den Folgen des Rauchens, etwa 1.000 davon an den Folgen des Passivkonsums. „Schon wer eine bis vier Zigaretten pro Tag raucht, verdreifacht sein Risiko für Herzinfarkt bzw. Lungenkrebs“, sagt Manfred Neuberger, emeritierter Ordinarius für Umwelthygiene und Präventivmedizin und Rauch-Experte der MedUni Wien anlässlich des Welt-Nichtrauchertags am kommenden Mittwoch (31. Mai). Daher sei es besonders wichtig, vor allem Jugendlichen den Zugang zu Zigaretten zu erschweren. „Der Jugendschutz in Österreich muss verbessert werden“, fordert Neuberger. Denn das Einstiegsalter sinkt immer weiter: schon jede/r zehnte Zwölfjährige in Österreich hat bereits einmal geraucht.  

Die wichtigsten Schritte dazu sind, so der MedUni Wien-Experte: Striktes Automaten- und Werbeverbot – auch in und vor den Trafiken selbst –, um das Zur-Schau-Stellen als Anreiz zu unterbinden, eine deutliche Erhöhung der Zigarettenpreise, eine striktere Alterskontrolle und das Entfernen von Zigaretten aus dem offiziellen Warenkorb (gemäß des TOT_X_TBC-Overall Index‘ der EUROSTAT), durch den der Verbraucherpreis-Index geregelt wird – neben Produkten des „täglichen Bedarfs“ wie Milch, Eier, Gemüse oder Obst.

Werbeverbot wirkt
Dass viele diese Maßnahmen greifen, zeigt sich beispielhaft u.a. bei unseren Nachbarn in Ungarn: Durch das absolute Verbot von Außenwerbung und durch „plain packaging“, also werbe- und logo-freie Verpackung der Zigaretten (wie es u.a. auch in Australien und Frankreich praktiziert wird), wurde der Zigarettenkonsum bei Jugendlichen auf ein Zehntel der bisherigen Quote reduziert. Ähnliche positive Effekte wurden in Island erzielt, wo seit dem Jahr 2000 die Zigaretten nicht mehr in der Trafik zur Schau gestellt werden dürfen, sondern in Laden unter dem Tresen aufbewahrt werden müssen.

Neuberger: „Aber ganz essenziell wäre ein Verbot der Automaten. Warum soll ein Suchtmittel zu jeder Zeit verfügbar sein?“ Bereits die Hälfte aller Länder in der Europäischen Union hat Zigarettenautomaten verboten, denn Testkäufe haben – auch in Österreich – gezeigt, dass sogar mit abgelaufenen Bankomatkarten als „Alterskontrolle“ Zigaretten-Packerl aus dem Automaten erworben werden konnten. Und noch ein wichtiger Faktor: Das Vorbild durch die Eltern. „Kindern sollte im familiären Raum nicht signalisiert werden, dass Zigaretten leicht verfügbar sind und dass Nikotinkonsum einfach akzeptiert wird.“

Nikotin als „Treiber“ für viele Erkrankungen und gesundheitliche Probleme
Für einen verschärften Jugendschutz sprechen die medizinischen Fakten: Etwas häufiger als jede Stunde stirbt in Österreich ein Mensch an den Folgen des Rauchens. Durch Rauchen verursachte Erkrankungen wie Lungenkrebs, COPD (obstruktive Lungenkrankheit), Diabetes  oder Herzinfarkt nehmen stetig zu. Neuberger: „Mein bisher jüngster Herzinfarkt-Patient war 18 Jahre alt – er hat 100 Zigaretten am Tag geraucht.“ Bei Kleinkindern, die passiv mit-rauchen, kann die Lungen- und Hirnentwicklung negativ beeinflusst werden, bei Jugendlichen, die in der Pubertät mit dem Rauchen beginnen, sind Wachstumsstörungen (vor allem bei den Burschen) sowie hormonelle Veränderungen (vor allem bei den Mädchen) feststellbar. Und natürlich gilt Nikotin als „Treiber“ für verschiedenste Arten von Krebs.

Neuberger: „In der Prävention und im Jugendschutz liegen wir in Österreich aber leider im internationalen Vergleich ganz schlecht.“ In Großbritannien etwa wird das aus einer viel höheren Tabaksteuer gewonnene Budget – Zigaretten kosten dort bereits, wie auch in Norwegen, über 10 Euro, in Österreich rund 5 EUR – direkt in die Prävention und den Jugendschutz re-investiert. „Österreich nimmt über die Tabaksteuer von Minderjährigen jährlich rund 60 Millionen ein“, weiß Neuberger. „Aber für die Prävention wird das nicht  eingesetzt.“ Dabei entstehen laut einer Studie des Instituts für Höhere Studien durch das Rauchen enorme Kosten für Arbeitsausfälle, Gesundheitsausgaben, Invaliditätspensionen, Kranken- und Pflegegeld – Gesamtvolumen: über 750 Millionen Euro jährlich.