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Dr. Dennis Wienand, MSc
MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, April 2026
Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung für diesen Monat Herrn Dr. Dennis Wienand aus Anlass der im Top-Journal „The Lancet Psychiatry” (IF 24.8) erschienenen Arbeit „Non-mental health inpatient and emergency care hospital costs associated with four mental disorders in Europe: a modelling study“ [1]. Diese Studie entstand im Rahmen des Doktoratsstudiums von Dr.D ennis Wienand an der Abteilung für Gesundheitsökonomie unter der Leitung von Univ.-Prof.in DDr.in Judit Simon (Abteilungsleiterin und stellvertretende Leiterin des Zentrums für Public Health), sowie in Zusammenarbeit mit Em. Prof. Dr. Guy Goodwin von der University of Oxford.
Hohe Krankenhauskosten durch körperliche Begleiterkrankungen bei psychischen Störungen in Europa
Im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung weisen Menschen mit psychischen Störungen häufiger körperliche Beschwerden auf. Dadurch ergibt sich eine Ungleichheit hinsichtlich des körperlichen Gesundheitsstatus. In einer vorausgegangenen Arbeit der Abteilung für Gesundheitsökonomie konnte aufgezeigt werden, dass besonders häufig Verletzungen, Substanzkonsum oder Suizidversuche, sowie Erkrankungen des Verdauungstrakts, insbesondere bei Personen mit Alkoholkonsumstörungen, auftreten [2]. Zudem wurden Erkrankungen des Nervensystems, Atmungssystems, Bewegungsapparats und des Herz-Kreislauf-Systems bei Menschen mit psychischen Erkrankungen in erhöhtem Ausmaß identifiziert [2]. Überdurchschnittlich häufig auftretende körperliche Erkrankungen werden in der internationalen Literatur mit zusätzlich genutzten Gesundheitsleistungen in Verbindung gebracht [3]. Diese körperlichen Erkrankungen werden vielfach stationär oder in der Notaufnahme behandelt [3].
In der aktuellen Studie wurden auf Grundlage von Daten aus 2019 die Kosten der nicht-psychiatrischen stationären Versorgung und der Notfallversorgung im Zusammenhang mit Alkoholkonsumstörungen, bipolaren Störungen, Depressionen, sowie Schizophrenie in (kaufkraftbereinigten) Euro modelliert. Die Studie berücksichtigte dabei die erwerbsfähige Bevölkerung aus 32 europäischen Ländern im Alter zwischen 20 und 64 Jahren.
Die jährlichen Gesamtkosten der stationären und der Notfallversorgung beliefen sich für diese vier Diagnosen auf € 20,3 Mrd. (Alkoholkonsumstörungen), € 6,7 Mrd. (bipolare Störungen), € 26,5 Mrd. (Depressionen) und € 1,8 Mrd. (Schizophrenie). Mehr als die Hälfte dieser Kosten wurden dabei als Überschusskosten identifiziert, das heißt, dass diese auf eine intensivere Nutzung gesundheitlicher Ressourcen aufgrund körperlicher Begleiterkrankungen zurückzuführen sind. Insgesamt ergibt sich dadurch eine Summe von € 30,5 Mrd. an zusätzlichen Spitalskosten, was in etwa 1,8 % der Gesundheitsausgaben oder 0,16 % des Bruttoinlandsproduktes der berücksichtigten Länder entspricht. Eine Reduktion der körperlichen Krankheitslast bei Menschen mit psychischen Erkrankungen um ein Prozent würde europaweit zu jährlichen Einsparungen von über € 190 Mio. in der Versorgung führen. Das Fazit in der vorliegenden Studie lautet daher, dass eine bessere Integration der psychischen und somatischen Versorgung durch Prävention, frühzeitige Diagnostik und koordinierte Behandlungsansätze erheblich zu einer Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie zur Nachhaltigkeit der europäischen Gesundheitssysteme beitragen könnte. [1]
Wissenschaftliches Umfeld
Dr. Dennis Wienand begann 2018 seine wissenschaftliche Arbeit an der Abteilung für Gesundheitsökonomie am Zentrum für Public Health. Die Studie war Teil der Dissertation von Dr. Wienand und wurde im Rahmen des durch das European College of Neuropsychopharmacology finanzierte Projekt „Physical comorbidity costs of mental health disorders“ durchgeführt. Das Projekt wurde von Univ.-Prof.in DDr.in Judit Simon (Abteilung für Gesundheitsökonomie, Zentrum für Public Health) geleitet und in Zusammenarbeit mit der University of Oxford und der London School of Economics and Political Sciences durchgeführt.
Im Jahr 2024 schloss Dr. Wienand sein Doktorat an der Medizinischen Universität Wien im Fachbereich Public Health unter der Leitung von Univ.-Prof.in DDr.in Judit Simon ab, und ist seitdem als Post-Doktorand an der Abteilung tätig.
Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die Bewertung sozioökonomischer Krankheitslasten, die Anwendung gesundheitsökonomischer Modellierungsansätze zur Bewertung der Kosten-Effektivität von Gesundheitsmaßnahmen, sowie Evidenzsynthese, vorranging im Bereich der psychischen Gesundheit. Zurzeit arbeitet er im Rahmen mehrerer internationaler Projekte an ökonomischen Evaluationen gesundheitsbezogener Interventionen, beispielsweise zu Erhebungen in Großbritannien, Nord-Mazedonien und Moldawien.
Zur Person
Dr. Dennis Wienand studierte von 2013 bis 2017 an der Universiteit Maastricht in den Niederlanden und erlangte dort einen BSc in European Public Health und anschließend einen MSc in Healthcare Policy, Innovation, and Management. Danach arbeitete er bei einem privatwirtschaftlichen Unternehmen in Dublin, Irland, wo er bei der Erstellung und Evaluierung verschiedener gesundheitsökonomischer Modelle involviert war. Seit 2018 ist Dr. Wienand wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung für Gesundheitsökonomie am Zentrum für Public Health, Medizinische Universität Wien. Er unterrichtet im Diplomstudium Humanmedizin (Seminarleitung im Block 22/23 Public Health), im Masterstudium Molecular Precision Medicine, in diversen Universitätslehrgängen (Clinical Research, Health Care Management) sowie extern an der Hochschule Campus Wien. Er hat bereits mehrere Forschungspreise erhalten wie den Student Award durch die International Society for Pharmacoeconomics and Outcomes Research (ISPOR) Austria Chapter und den Best Presentation Award durch die Association of Schools of Public Health in the European Region (ASPHER). Seit 2024 ist er außerdem Vize-Präsident der ISPOR Austria.
Ausgewählte Literatur
- Wienand, D., Goodwin, G. M., & Simon, J. (2025). Non-mental health inpatient and emergency care hospital costs associated with four mental disorders in Europe: a modelling study. The Lancet Psychiatry, 12(7), 513-523. DOI: https://doi.org/10.1016/S2215-0366(25)00138-5
- Wienand, D., Wijnen, L. I., Heilig, D., Wippel, C., Arango, C., Knudsen, G. M., Goodwin, G.M., Simon, J. (2024). Comorbid physical health burden of serious mental health disorders in 32 European countries. BMJ Mental Health, 27(1). DOI: https://doi.org/10.1136/bmjment-2024-301021
- Simon, J., Wienand, D., Park, A. L., Wippel, C., Mayer, S., Heilig, D., Łaszewska, A., Stelzer, I., Goodwin, G.M., McDaid, D. (2023). Excess resource use and costs of physical comorbidities in individuals with mental health disorders: A systematic literature review and meta-analysis. European Neuropsychopharmacology, 66, 14-27. DOI: https://doi.org/10.1016/j.euroneuro.2022.10.001