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2026 März - Lisa Gabler-Pamer

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Dr.in Lisa Gabler-Pamer

MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, März 2026

Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung für diesen Monat Frau
Dr.in Lisa Gabler-Pamer aus Anlass der im Top-Journal „Nature Cancer“ (IF 28.5) erschienenen Arbeit „Cellular hierarchies of embryonal tumors with multilayered rosettes are shaped by oncogenic microRNAs and receptor-ligand interactions“ [1]. Die multidisziplinäre Studie entstand am Dana-Farber Cancer Institute, Harvard Medical School, Boston, USA und wurde in enger Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien, sowie dem Princess Máxima Center for Pediatric Oncology, Utrecht, Niederlande und der Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland realisiert.

Kommunizieren Krebszellen?

Embryonale Tumoren mit multiplen Rosetten (ETMR) gehören zu den tödlichsten Krebserkrankungen, die fast nur bei Kleinkindern auftreten und eine sehr schlechte Prognose haben. Bislang waren die zellulären Mechanismen dieser sehr seltenen Krebsart ungeklärt und es gab keine spezifische zielgerichtete Therapie für betroffene Patient:innen.

In der vorliegenden Arbeit (Beck, Gabler-Pamer et al.) haben Wissenschafter:innen aus Österreich, den USA und den Niederlanden elf Tumorproben von Patient:innen mittels modernen Methoden analysiert, bei denen man einzelne Zellen untersuchen kann. Dabei entdeckten sie, dass ETMR aus verschiedenen Tumorzelltypen besteht, die eine Art hierarchischen Aufbau zeigen – ähnlich dem, was man in einem sich entwickelnden Gehirn findet. Es gibt stammzellähnliche Tumorzellen, stärker differenzierte, neuron-ähnliche Zellen, und intermediär-differenzierte Tumorzellen.

Zudem identifizierten die Forschenden, dass die beschriebenen unterschiedlichen Zelltypen offenbar zusammenarbeiten: Die stammzellähnlichen Zellen teilen sich stark und treiben das Tumorwachstum voran, während andere Zellen Signale senden, die dieses Wachstum unterstützen. Dabei spielt vor allem der Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor (FGFR) Signalweg eine tragende Rolle. In Laborversuchen und bei einem Patienten zeigten spezifische therapeutische Hemmstoffe für den FGFR-Signalweg erste Wirkung und verlangsamten das Tumorwachstum.

Diese Ergebnisse sind wichtig, weil sie – erstmals auf der Ebene einzelner Zellen – erklären, wie ETMR organisiert ist und welche molekularen Mechanismen das Tumorwachstum antreiben. Dadurch eröffnen sich neue Ansätze für gezielte Therapien, die in Zukunft helfen könnten, das Überleben von Kindern mit dieser Erkrankung zu verbessern.

Wissenschaftliches Umfeld

Die hier vorgestellte Forschung zur seltenen Form von kindlichen Gehirntumoren (ETMR), publiziert in Nature Cancer (Mai 2025), entstand in einem hochgradig kollaborativen und international vernetzten Forschungsumfeld.

Zentral durchgeführt wurde das Projekt in den Arbeitsgruppen von Asst. Prof. Volker Hovestadt, PhD und Assoc. Prof.in Mariella Filbin, MD, PhD am Dana-Farber Cancer Institute, Harvard Medical School, einem führenden internationalen Zentrum für Tumorforschung, in dem die beiden Erstautor:innen Dr. Alexander Beck und Dr.in Lisa Gabler-Pamer als Postdocs tätig waren. Dieses Umfeld bot Zugang zu modernsten genomischen Technologien, fortschrittlicher Computerinfrastruktur und interdisziplinärem Fachwissen in der Neuro-Onkologie. Nach ihrer Rückkehr an die Medizinische Universität Wien setzte Dr.in Gabler-Pamer die integrativen Bioinformatik-Analysen an der Universitätsklinik für Neurochirurgie fort. Sie koordinierte den Austausch zwischen den beteiligten Institutionen und integrierte Daten aus verschiedenen Quellen, die die zentralen Ergebnisse der Studie ermöglichten.

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war die enge nationale Zusammenarbeit: Die Medizinische Universität Wien lieferte hochqualitative Tumorproben und neuropathologische Expertise. Die Universitätsklinik für Neurochirurgie unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Karl Rössler und die Arbeitsgruppe von Univ.-Prof. DDr. Johannes Gojo (Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde) stellten wichtige klinische Proben und Kontextinformationen bereit, während die Universitätsklinik für Neurologie, Abteilung für Neuropathologie, unter Ao.Univ.-Prof.in Dr.in Christine Haberler und Mag.arer.nat. Nicole Amberg, BSc PhD, für die FISH-Analysen und die neuropathologische Charakterisierung verantwortlich war.

Durch ihre integrative Rolle über beide Institutionen hinweg verkörperte Dr.in Gabler-Pamer die kollaborative Forschungs- und Wissenschaftskultur in der pädiatrischen Neuro-Onkologie und stärkte die internationale Sichtbarkeit und den Beitrag der Medizinischen Universität Wien innerhalb dieses Netzwerks.

Zur Person

Lisa Gabler-Pamer studierte Molekulare Mikrobiologie, Mikrobielle Ökologie und Immunbiologie an der Universität Wien und erlangte ihren Master im Jahr 2016. Zuvor absolvierte sie Studien der Biomedizinischen Analytik sowie der Mikrobiologie und Genetik. Dr.in Gabler-Pamer begann ihre wissenschaftliche Tätigkeit als Biomedizinische Analytikerin im Rahmen eines Forschungsprojekts, welches an der Universitätsklinik für Pathologie durchgeführt wurde [2].

Im Rahmen der zellbiologischen Untersuchungen des Projekts lernte sie Univ. Prof. Dr. Walter Berger kennen, der später ihr PhD-Supervisor und Mentor wurde und ihre wissenschaftliche Karriere maßgeblich begleitete. Während ihres Doktorats in der Arbeitsgruppe von Univ.-Prof. Dr. Walter Berger (Zentrum für Krebsforschung) spezialisierte sich Lisa Gabler-Pamer auf die Erforschung von Gehirntumoren und promovierte 2021. In enger Zusammenarbeit mit Priv.-Doz.in Mag.rer.nat. Daniela Lötsch-Gojo, PhD (Leiterin des Neurochirurgischen Forschungslabors, Universitätsklinik für Neurochirurgie) und Univ.-Prof. DDr. Johannes Gojo (Leiter des Hirntumorzentrums für Kinder- und Jugendliche Wien) konnten mehrere hochrangige wissenschaftliche Arbeiten erfolgreich veröffentlicht werden [3], [4], [5]. Im Rahmen eines FFG FEMtech Fellowships entwickelte Lisa Gabler-Pamer früh ein starkes Interesse an bioinformatischen Methoden und datengetriebener Forschung.

Während ihres Postdocs in der Arbeitsgruppe von Asst. Prof. Volker Hovestadt, PhD am Dana-Farber Cancer Institute, Harvard Medical School, Boston, USA, setzte Dr.in Gabler-Pamer moderne bioinformatische Methoden zur Analyse pädiatrischer Tumoren ein und arbeitet bis heute eng mit Dr. Hovestadt in gemeinsamen Projekten zusammen. Nach ihrer Rückkehr an die Medizinische Universität Wien setzt sie diese Arbeiten fort und baut ihre eigene wissenschaftliche Linie weiter aus.

Im Jahr 2023 erhielt sie sowohl ein ESPRIT Fellowship des FWF als auch ein APART-MINT Fellowship der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), welche die Rückkehr an die MedUni Wien sowie den Aufbau eines eigenen Projektteams ermöglichten. Ihre Forschung wurde darüber hinaus durch mehrere kompetitive nationale und internationale Förderprogramme und Auszeichnungen gewürdigt.

Neben ihrer Forschung ist Dr.in Gabler-Pamer aktiv in der Lehre des Doktoratsstudiums Malignant Diseases, des Humanmedizinstudiums und des PhD Mentoring Programms engagiert und betreut Abschlussarbeiten auf Bachelor-, Master-, Diplom- und Doktoratsniveau. Darüber hinaus ist sie ehrenamtlich als Wissenschaftsbotschafterin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig und Mitglied mehrerer internationaler Fachgesellschaften, darunter SNO, ÖGMBT und ASCINA.

Ausgewählte Literatur

  1. A. Beck et al., “Cellular hierarchies of embryonal tumors with multilayered rosettes are shaped by oncogenic microRNAs and receptor–ligand interactions,” Nature Cancer 2025, pp. 1–21, May 2025, doi: 10.1038/s43018-025-00964-9.

  2. A.-I. Schiefer et al., “Multicenter Evaluation of a Novel Automated Rapid Detection System of BRAF Status in Formalin-Fixed, Paraffin-Embedded Tissues,” Journal of Molecular Diagnostics, vol. 18, no. 3, 2016, doi: 10.1016/j.jmoldx.2015.12.005

  3. L. Gabler et al., “TERT expression is susceptible to BRAF and ETS-factor inhibition in BRAF V600E /TERT promoter double-mutated glioma,” Acta Neuropathol Commun, vol. 7, no. 1, p. 128, 2019, doi: 10.1186/s40478-019-0775-6

  4. L. Gabler et al., “Fibroblast growth factor receptor 4 promotes glioblastoma progression: a central role of integrin-mediated cell invasiveness,” Acta Neuropathol Commun, vol. 10, no. 1, pp. 1–16, Dec. 2022, doi: 10.1186/S40478-022-01363-2/FIGURES/6

  5. D. Lötsch et al., “Targeting fibroblast growth factor receptors to combat aggressive ependymoma,” Acta Neuropathol, vol. 1, p. 3, May 2021, doi: 10.1007/s00401-021-02327-x


Dr.in Lisa Gabler-Pamer

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