B0 Magnetfeld und Korrekturen
Einleitung
Eine exzellente Homogenität des Magnetfeldes ist eine grundlegende Voraussetzung für die meisten Anwendungen der Magnetresonanztomographie (MRT) und Magnetresonanzspektroskopie (MRS), um eine korrekte räumliche Zuordnung, die bestmögliche Signalstärke sowie eine optimale spektrale Auflösung zu gewährleisten. Unterschiedliche magnetische Suszeptibilitätsbedingungen rund um das menschliche Gehirn verursachen jedoch starke und komplexe Magnetfeldverzerrungen innerhalb des Gehirns und reduzieren dadurch den Informationsgehalt der Ergebnisse.
Der anhaltende Trend hin zu höheren B0-Magnetfeldstärken zur Steigerung der Signalintensität, der spektralen Dispersion und der Sensitivität für den Blood-Oxygen-Level-Dependent-(BOLD)-Kontrast verschärft dieses Problem zusätzlich, da die induzierten Magnetfeldverzerrungen linear mit der B0-Feldstärke des MRT-Scanners zunehmen. Das Potenzial der Ultrahochfeld-MRT/MRS konnte bislang zumindest teilweise aufgrund methodischer und technischer Herausforderungen im Zusammenhang mit Imperfektionen der verwendeten statischen B0-Magnetfelder nicht vollständig ausgeschöpft werden. Diese Einschränkungen stellen ein wesentliches Hindernis für in-vivo-MR-Untersuchungen des menschlichen Gehirns dar.
Ziel
Ziel dieser methodischen Forschung ist es, durch spezielle technische und softwarebasierte Lösungen Imperfektionen des statischen B0-Magnetfeldes zu minimieren und dadurch einen optimalen Informationsgehalt von MR-Untersuchungen zu ermöglichen.
Aktuelle Arbeiten
Unsere aktuelle Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung fortschrittlicher Verfahren zur Modellierung von B0-Magnetfeldern für das Magnetfeld-Shimming im Menschen. Eine optimale Magnetfeldhomogenität ist entscheidend für aussagekräftige funktionelle MR-Bildgebung und Spektroskopie und wird ein breites Spektrum klinischer und neurowissenschaftlicher Anwendungen ermöglichen.
Konventionelle B0-Korrekturfelder ähneln den Formen niedriggradiger Kugelflächenfunktionen. Diese können großflächige und sanft variierende Feldinhomogenitäten kompensieren („shimmen“), sind jedoch nicht in der Lage, komplexere und lokal begrenzte Feldstörungen ausreichend nachzubilden und auszugleichen. Wir haben eine neuartige, generalisierte Methode zur Synthese von Magnetfeldformen entwickelt, die generische Basisfelder aus einer Matrix lokalisierter Spulen verwendet. Die Kombination einfacher, unspezifischer (d. h. nicht sphärisch-harmonisch geformter) Basisfelder ermöglicht die flexible Synthese komplexer Shim-Felder mit hoher Amplitude. Mit mehreren Techniken konnten wir auf sichere Weise eine bisher unerreichte Magnetfeldhomogenität im menschlichen Gehirn erzielen – eine wesentliche Voraussetzung für aussagekräftige MRT-, MRS- und MRSI-Untersuchungen.
Unsere Entwicklungen
Basierend auf ultraflexiblen Spulenelementen haben wir ein 28-Kanal-Spulenarray entwickelt, das wie eine Weste getragen werden kann, was den Patientenkomfort bei Brustkrebsuntersuchungen erhöht und zu einer hervorragenden Bildqualität mit bis zu 3-fachem Signal-Rausch-Verhältnis im Vergleich zu typischen Brustspulen führt.
Bei Standard Brustspulen muss die Patientin mit dem Gesicht nach unten auf dem Patientenbett liegen und ihre freiliegenden Brüste in die Öffnungen der Spule hängen, die für kleine Brüste zu groß und für sehr große Brüste zu klein sind. Unsere BraCoil liegt jedoch unabhängig von der Brustgröße immer eng an der Brustoberfläche an und liefert daher immer ein hohes Signal. Die BraCoil kann in Rückenlage verwendet werden, wobei die Brustform einer Ultraschalluntersuchung oder Operation ähnelt. Dies ermöglicht eine einfachere Lokalisierung von Läsionen und erleichtert den klinischen Arbeitsablauf, wodurch Zeit, Geld und möglicherweise unnötige zusätzliche Untersuchungen gespart werden.
Beteiligte Forschungsgruppen
- Laistler Gruppe
- Frass-Kriegl Gruppe
Presseartikel
- Wearable coil vest could change the game in breast MRI (Physics World, 2023)
- Brustkrebsvorsorge wird präziser und bequemer (Kurier, 2024)
- Neue Diagnosetechnik verbessert Brustkrebsvorsorge (FWF scilog, 2019)
Publikationen
- Panoramic magnetic resonance imaging of the breast with a wearable coil vest (Investigative Radiology, 2023)
- Supine breast MRI using a wearable coil facilitates the translation of MR imaging findings to clinical practice (European Journal of Radiology, 2025)
- Citizen science approach to assessing patient perception of MRI with flexible radiofrequency coils (Nature Scientific Reports, 2024)
- Optimal Sensor Selection for Motion-Corrected Supine Breast MRI with a Wearable Coil (IEEE Transactions on Biomedical Engineering, 2025)
Wir haben ein neuartiges Spulenarraysystem namens „ModFlex“ für die Magnetresonanztomographie (MRT) unter Verwendung flexibler, leichter 4-Kanal-Koaxialspulenmodule entwickelt. Mit diesen Spulen werden hochwertige Bilder verschiedener Körperteile aufgenommen. In einer Studie haben wir ModFlex mit herkömmlichen MRT-Spulen in sechs verschiedenen anatomischen Regionen verglichen: Hals, Knöchel, Wirbelsäule und Hüfte. Die Ergebnisse zeigten, dass ModFlex herkömmliche Spulen übertraf oder eine ähnliche Leistung aufwies. Dies bedeutet, dass schnellere und höher aufgelöste MRT-Scans möglich sind, insbesondere bei der Knöchel- und Wirbelsäulenbildgebung. ModFlex ist vielseitig und für unterschiedliche Patientengrößen geeignet, wodurch der Patientenkomfort bei MRT-Untersuchungen möglicherweise erhöht wird, was es zu einem vielversprechenden Fortschritt in der medizinischen Bildgebungstechnologie macht.
Beteiligte Forschungsgruppen
- Laistler Gruppe
- Frass-Kriegl Gruppe
Publikationen
- A modular system of flexible receive-only coil arrays for 3 T Magnetic Resonance Imaging (Zeitschrift für Medizinische Physik, 2023)
Wir haben ein flexibles, anwendungsfertiges 23-Kanal-HF-Spulenarray entwickelt. Das Array besteht aus Spulen, die auf einer starr-flexiblen Leiterplatte gefertigt sind. Die für die Spulenschnittstelle benötigten Komponenten werden auf dem starren Teilen der Leiterplatte platziert, die von einem robusten Gehäuse abgedeckt werden. Flexible Leiterplattenteile dazwischen sorgen für die mechanische Flexibilität des Geräts. Diese Spule eignet sich für die hochauflösende MRT verschiedener anatomischer Ziele, z.B. Hand, Knöchel, Knie, Schulter, wobei die wichtigste Anwendung die MRT des okzipitalen Kortex ist.
Beteiligte Forschungsgruppen
- Laistler Gruppe
- Windischberger Gruppe
Publikationen
Konventionelle B0-Korrekturfelder ähneln den Formen niedriggradiger sphärischer Harmonischer. Sie können großflächige und langsam variierende Feldinhomogenitäten kompensieren („shimmen“), sind jedoch nicht in der Lage, komplexere und lokal begrenzte Feldstörungen ausreichend nachzubilden und auszugleichen. Wir haben eine neuartige, generalisierte Methode zur Synthese von Magnetfeldformen entwickelt, die generische Basisfelder aus einer Matrix lokalisierter Spulen verwendet. Die Kombination einfacher, unspezifischer (d. h. nicht sphärisch-harmonisch geformter) Basisfelder ermöglicht die flexible Synthese komplexer Shim-Felder mit hoher Amplitude. Mit mehreren Techniken konnten wir auf sichere Weise eine bisher unerreichte Magnetfeldhomogenität im menschlichen Gehirn erzielen – eine wesentliche Voraussetzung für aussagekräftige MRT-, MRS- und MRSI-Untersuchungen.
Beteiligte Forschungsgruppen
- Laistler Gruppe
- Meyerspeer Gruppe
- Schmid Gruppe
Publikationen
- A form-fitted 3 channel 31P, two channel 1H transceive coil array for calf muscle studies at 7 T (Magnetic Resonance in Medicine, 2015)
- Exercising calf muscle T2* time courses correlate with pH, PCr recovery and maximum oxidative phosphorylation (NMR in Biomedicine, 2014)
- Localized semi-LASER dynamic 31P magnetic resonance spectroscopy of the soleus during and following exercise at 7 T (Magnetic Resonance Materials in Physics, Biology and Medicine, 2015)
- Skeletal muscle ATP synthesis and cellular H+ handling measured by localized 31P-MRS during exercise and recovery (Nature Scientific Reports, 2016)
- Dynamic PCr and pH imaging of human calf muscles during exercise and recovery using 31P gradient-echo MRI at 7 T (Magnetic Resonance in Medicine, 2016)
- Dynamic multivoxel‐localized 31P MRS during plantar flexion exercise with variable knee angle (NMR in Biomedicine, 2018)
Die Kohlenstoff-13-Spektroskopie kann durch die Messung von Glykogen und Glukose Einblicke in den Zuckerstoffwechsel im Körper liefern. Aufgrund der Natur des 13C-MR-Signals sind diese Signale in verschiedene Frequenzen aufgeteilt, was die Datenanalyse erschwert. Dies kann durch Senden mit der 1H-Larmorfrequenz bei gleichzeitigem Empfang des 13C-Signals unterbunden werden, eine Technik, die als „Protonenentkopplung“ bekannt ist. Für den Spulenbauer bedeutet dies, dass äußerst effiziente Filter (~100 dB) in die Spule eingebaut werden müssen, um ein Übersprechen zwischen dem starken 1H-Sendesignal und dem sehr kleinen 13C-MR-Signal zu vermeiden. Die von uns entwickelte Spule erfüllt dieses Kriterium und bietet vier Sende-/Empfangskanäle 1H kombiniert mit drei Sende-/Empfangskanälen 13C.
Beteiligte Forschungsgruppen
- Laistler Gruppe
- Krssak Gruppe
Publikationen
- Proton-decoupled carbon magnetic resonance spectroscopy in human calf muscles at 7 T using a multi-channel radiofrequency coil (Nature Scientific Reports, 2018)
Transkranielle Magnetstimulation (TMS) ist eine Technik, die starke gepulste Magnetfelder verwendet, um eine Gehirnstimulation im Bereich unter dem Stimulatorgerät hervorzurufen. Mithilfe der funktionellen MRT (fMRT) kann diese Stimulation sichtbar gemacht werden. Traditionell musste das TMS-Gerät in einer großen “birdcage”-Kopfspule untergebracht werden, was die Nachteile einer schlechten MR-Bildqualität, einer langsamen Datenaufnahmen und sehr eingeschränkten Möglichkeiten zur Platzierung des TMS-Geräts mit sich bringt. Unser Ansatz bestand darin, ein sehr dünnes HF-Spulenarray zu entwickeln, das zwischen das TMS-Gerät und den Kopf passt. Dies ermöglicht eine drastisch verbesserte MR-Bildqualität und eine sehr flexible Positionierung des TMS-Geräts bei nur minimalem Verlust der TMS-Stimulationseffizienz aufgrund des nur leicht vergrößerten Abstands des TMS zum Kopf.
Beteiligte Forschungsgruppen
- Laistler Gruppe
- Windischberger Gruppe
- Tik Gruppe
Publikationen
- A novel coil array for combined TMS/fMRI experiments at 3 T (Magnetic Resonance in Medicine, 2014)
- High-sensitivity TMS/fMRI of the Human Motor Cortex Using a Dedicated Multichannel MR Coil (NeuroImage, 2017)
- Concurrent TMS-fMRI: Technical Challenges, Developments, and Overview of Previous Studies (Frontiers in Psychiatry, 2022)
-
Acute TMS/fMRI response explains offline TMS network effects – An interleaved TMS-fMRI study (NeuroImage, 2023)
Die Positronenemissionstomographie (PET) basiert auf radioaktiven Tracern, die sich in Krebsgewebe ansammeln und beim Zerfall Photonen mit 511 keV emittieren. Auf ihrem Weg aus dem Körper werden sie durch das umliegende Gewebe abgeschwächt. Um das PET-Signal korrekt zu quantifizieren, muss die räumliche Verteilung des Abschwächungskoeffizienten berücksichtigt werden, was die Messung einer Karte des Abschwächungskoeffizienten erfordert. Unsere Spule ist von einem deuteriumgefüllten Schlauch umwickelt, durch den ein Pellet mit radioaktivem Tracer mit kontrollierter Geschwindigkeit gepumpt werden kann, was eine Transmissionsmessung der Dämpfung ermöglicht. Die HF-Spule ist so konzipiert, dass die Abschwächung im Sichtfeld des PET-Systems minimiert wird, und deckt den gesamten Kopf einschließlich des Halses ab.
Beteiligte Forschungsgruppen
Publikationen
- Design, Implementation, and Evaluation of a Head and Neck MRI RF Array Integrated with a 511 keV Transmission Source for Attenuation Correction in PET/MR (Sensors, 2019)
- A head coil system with an integrated orbiting transmission point source mechanism for attenuation correction in PET/MRI (Physics in Medicine and Biology, 2018)
- A PET/MR coil with an integrated, orbiting 511 keV transmission source for PET/MR imaging validated in an animal study (Medical Physics, 2022)
Um die kleinen Strukturen des menschlichen Fingers sichtbar zu machen, haben wir eine Spule mit optimierter Wicklungssteilheit entwickelt, um die Signalhomogenität zu verbessern. Dieser Spule ermöglicht Bilder mit einer isotropen Auflösung von 100–200 µm³. anhand derer Knochen, Knorpel, Sehnen (einschließlich ihrer inneren Struktur), Riemenscheiben, Arterien und Venen, Nerven und Vater-Pacini-Körperchen sowie Fett und Haut segmentiert und visualisiert werden können.
Beteiligte Forschungsgruppen
Publikationen
- In vivo MRI of the human finger at 7 T (Magnetic Resonance in Medicine, 2018)
- Assessing spectral imaging of the human finger for detection of arthritis (Biomedical Optics Express, 2019)
-
Anatomically Accurate, High-Resolution Modeling of the Human Index Finger Using In Vivo Magnetic Resonance Imaging (Tomography, 2022)
Mit sehr kleinen Oberflächenspulen kann ein hohes Signal-Rausch-Verhältnis nahe der Körperoberfläche erreicht werden, was eine hochauflösende Abbildung der menschlichen Haut ermöglicht und beispielsweise die Darstellung kleiner Gefäßstrukturen in der Dermis und Hypodermis ermöglicht. Bei einer Reduzierung der Spulengröße erzeugen normalleitende Spulen jedoch mehr Rauschen als das vom Gewebe ausgehende Rauschen, was die Bildqualität einschränkt. Mit unseren Kooperationspartnern in Paris haben wir daher mithilfe supraleitender Spulen Bilder mit einer isotropen Auflösung von bis zu 20 µm³ erhalten.
Beteiligte Forschungsgruppen
Publikationen
- Magnetic resonance micro-imaging of human skin vasculature in vivo at 3 Tesla (Magnetic Resonance in Medicine, 2011)
- In vivo MR imaging of the human skin at sub-nanoliter resolution using a superconducting surface coil at 1.5 Tesla (Journal of Magnetic Resonance Imaging, 2015)





