(Wien, 23-06-2026) Gleich drei Forscher mit Bezug zur Medizinischen Universität Wien wurden in der aktuellen Runde mit ERC Advanced Grants ausgezeichnet: Igor Adameyko erhält die Förderung direkt an der MedUni Wien, Christoph Bock für ein am CeMM angesiedeltes Projekt und Jürgen Knoblich für ein Projekt am IMBA. Bock und Knoblich sind zugleich Professoren an der MedUni Wien.
Der Europäische Forschungsrat (ERC) hat die Ergebnisse der Advanced-Grant-Runde 2025 bekanntgegeben. Die Förderungen zählen zu den renommiertesten europäischen Programmen für etablierte Forscher:innen und unterstützen wissenschaftlich besonders anspruchsvolle, risikoreiche Projekte mit potenziell weitreichender Bedeutung. Europaweit werden 319 Forschende mit insgesamt 838 Millionen Euro gefördert.
Unter den ausgezeichneten Projekten befinden sich drei Vorhaben mit engem Bezug zur MedUni Wien. Igor Adameyko, Professor für Neuroimmunologie am Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien, erhält einen ERC Advanced Grant für das Projekt „FATING-THE-CROWD“. Christoph Bock, Principal Investigator am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Professor für Medizinische Informatik an der MedUni Wien, wird für das Projekt „Solid-CART“ gefördert. Jürgen Knoblich, Senior Group Leader am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Professor für Synthetische Biologie an der MedUni Wien, erhält den Grant für das Projekt „CASCO“.
Zellentscheidungen während der Entwicklung verstehen
Igor Adameykos Projekt „FATING-THE-CROWD“ widmet sich der Frage, wie Zellpopulationen während Entwicklungsprozessen Entscheidungen über ihre künftige Spezialisierung treffen. Im Zentrum steht die sogenannte kollektive Multipotenz: also die Fähigkeit von Zellgruppen, unterschiedliche Entwicklungspfade einzuschlagen und dabei geordnete Proportionen verschiedener Zelltypen hervorzubringen. Adameykos Forschung verbindet Entwicklungsbiologie, Einzelzellanalysen, Abstammungsverfolgung und funktionelle Experimente, um grundlegende Mechanismen der Zellschicksalsentscheidung besser zu verstehen.
Programmierte Immunzellen gegen solide Tumore
Christoph Bocks Projekt „Solid-CART“ zielt darauf ab, eine neue Generation von CAR-T-Zellen für die Behandlung solider Tumoren zu entwickeln. CAR-T-Zelltherapien haben bei bestimmten Blutkrebserkrankungen bereits Wirkung gezeigt, sind bei soliden Tumoren jedoch bisher deutlich schwieriger einsetzbar. Mithilfe KI-gestützter Verfahren und CRISPR-basierter Screens sollen CAR-T-Zellen so programmiert werden, dass sie Tumorgewebe gezielter erkennen und gesunde Zellen möglichst verschonen. Im Fokus stehen HER2-positive Formen von Lungen-, Brust- und Darmkrebs.
Gehirn-Organoide als Modell für neuronale Netzwerke
Jürgen Knoblich untersucht im Projekt „CASCO“, wie sich funktionierende neuronale Netzwerke im menschlichen Gehirn organisieren und wie Störungen dieser Prozesse mit Erkrankungen zusammenhängen können. Dafür nutzt sein Team zerebrale Organoide, also aus Stammzellen gezüchtete dreidimensionale Modelle menschlicher Gehirnentwicklung. Moderne Messmethoden, Bildgebung und maschinelles Lernen sollen helfen, die Verbindung zwischen Zellzusammensetzung, Netzwerkaktivität und krankheitsrelevanten Veränderungen besser zu verstehen.
Starke Vernetzung am Forschungsstandort Wien
Die drei ERC Advanced Grants unterstreichen die internationale Sichtbarkeit der biomedizinischen Forschung in Wien und die enge wissenschaftliche Vernetzung der MedUni Wien mit führenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen am Standort. Die geförderten Projekte reichen von grundlegenden Mechanismen der Zell- und Entwicklungsbiologie über neue Strategien der Krebsimmuntherapie bis hin zur Erforschung menschlicher Gehirnentwicklung und neurologischer Erkrankungen.