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Eierstockkrebs: Abbau der Skelettmuskulatur ist Zeichen für schlechte Prognose

(Wien, 23-11-2015) Das Ovarialkarzinom gilt als eine der aggressivsten gynäkologischen Tumorerkrankungen. Daher suchen WissenschafterInnen stetig nach Parametern, die helfen, den Krankheitsverlauf und das Therapieansprechen besser einschätzen zu können. WissenschafterInnen des Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien konnten nun in einer Studie nachweisen, dass die Qualität der Skelettmuskulatur einen unabhängiger Prognosefaktor darstellt. Damit könnte die Therapie gezielter ausgewählt und somit auch die Behandlungsergebnisse verbessert werden. Die Ergebnisse der Studie wurden nun im Top Journal PLoS One veröffentlicht.

In Österreich wird jährlich bei etwa 650 Frauen ein Ovarialkarzinom diagnostiziert. An der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien werden pro Jahr rund 60 Primärfälle von epithelialem Ovarialkarzinom (EOC) therapiert.

Durch eine Tumorerkrankung kommt es zu Veränderungen im gesamten Stoffwechsel, die PatientInnen nehmen oft stark ab (Tumorkachexie), die Qualität der Skelettmuskulatur verändert sich durch Fettenlagerung und auch der Gesamtzustand verschlechtert sich schleichend. Deshalb haben Marker für Tumorkachexie eine zentrale Bedeutung für das Verständnis der molekularen Mechanismen des Tumorgeschehens und der Einschätzung der Prognose.
Die durch die "Margaretha-Hehberger-Stiftung" geförderte Studie wurde von WissenschafterInnen der Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Kooperation mit der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin an 140 Patientinnen mit epithelialem Ovarialkarzinom durchgeführt. Das Ziel war es zu untersuchen, in wie weit die Messung der Körperzusammensetzung (z.B. der Muskelqualität) mittels einer speziellen Analyse von Computertomographie-(CT)-Untersuchungen, die vor der Therapie durchgeführt wurden, prognostisch aussagekräftig ist und ob diese Messungen helfen könnten, die Therapieplanung für die einzelne Patientin individuell zu optimieren.

Erstautorin Stefanie Aust von der Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Mitglied des CCC: „Wir wollten Parameter nutzen, die in der Routine leicht erhoben werden können, beziehungsweise Analyseverfahren heranziehen, die wir ohnehin für andere Zwecke verwenden.“ Da am Haus routinemäßig CT-Befunde vor jeder OP erstellt werden, um die Ausdehnung und die Operabilität des Tumors beurteilen zu können, wurde in der Studie untersucht, ob man diese Analyse erweitern kann, um zusätzliche Einblicke in die tumorassoziierten Veränderungen zu gewinnen. Aust: „Wir haben die Muskelqualität als einen Marker für den Ernährungs- und Entzündungsstatus und zusätzlich klinisch-pathologische Parameter untersucht. Dabei konnten wir zeigen, dass die Qualität der Skelettmuskulatur sehr aussagekräftig ist. War sie bei Diagnoseerstellung schlecht, so hatten die Patientinnen eine schlechtere Prognose und sprachen nicht so gut auf die Standardtherapie an und umgekehrt.“
Die WissenschafterInnen kombinierten diese Analyse mit der Auswertung von Laborparametern, um so den Gesamtzustand der PatientInnen besser beurteilen zu können. Aust: „Wir planen zusätzliche Studien, um zu erfahren, ob wir mit diesem Parameter, also der Aussage über die Qualität der Skelettmuskulatur, die Therapiewahl und damit das Überleben im Rahmen der zunehmend personalisierten Medizin verbessern können.“

Weitere Publikationen geplant
Das Projekt ist noch nicht ganz abgeschlossen, da Thomas Knogler von der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin eine weiterführende Texturanalyse durchführt. Darüber hinaus gibt es ein anknüpfendes Projekt, das helfen soll, die Stoffwechselveränderungen, die durch den Tumor hervorgerufen werden, noch besser zu verstehen. Dazu wird eine sogenannte Metabolomics-Analyse durchgeführt, also eine Untersuchung von kleinsten Stoffwechselprodukten im Blut. Dieses Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Grundlagenforscher Dietmar Pils und in Kooperation mit dem Institut für Analytische Chemie der Universität Wien ausgeführt, eine Veröffentlichung der Ergebnisse ist für Anfang 2016 geplant.

Service: PLoS One
Skeletal Muscle Depletion and Markers for Cancer Cachexia Are Strong Prognostic Factors in Epithelial Ovarian Cancer – St. Aust, T. Knogler, D. Pils, E. Obermayr, A. Reinthaller, L. Zahn, I. Radlgruber, M. Mayerhoefer, Ch. Grimm, St. Polterauer;
PLOS ONE | DOI:10.1371/journal.pone.0140403 October 12, 2015

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