Pollenallergie
Die Weltallergieorganisation (WAO) schätzt, dass weltweit etwa 10 bis 40% (der Bevölkerung von Allergien betroffen sind (Pawankar R. et al. 2013).
In Österreich sind laut der österreichischen Gesundheitsbefragung 2019 der Statistik Austria (mehr als 15.000 Befragte) zwischen 20 und 25% der Bevölkerung betroffen. Die häufigste Form der allergischen Erkrankungen ist die Pollenallergie. Eine Sensibilisierung auf Pollen kann jederzeit auftreten, daher kann eine Pollenallergie in jedem Alter vorkommen.
FAQ Pollenallergie
- Was ist eine Pollenallergie?
Eine Pollenallergie (auch als Heuschnupfen oder allergische Rhinitis bezeichnet) ist eine Reaktion des Körpers auf Stoffe in/auf Pollenkörner/n bestimmter Pflanzen. Das Immunsystems reagiert hierbei auf eigentlich harmlose Proteine, die in diesem Zusammenhang als Allergene bezeichnet werden. Bei Pollenallergiker:innen kommt es bei Kontakt mit dem Allergen zur Freisetzung unterschiedlicher Botenstoffe (z.B. Histamin), die eine allergische Reaktion auslösen und in Folge zum Auftreten der typischen allergischen Symptome.
Die drei Hauptgruppen von Pflanzen, die eine Pollenallergie auslösen können, sind Bäume, Gräser und Kräuter. Darüber hinaus gibt es noch die Pilzsporen, die vor allem in den Sommermonaten (meist zwischen Mai und Oktober) in größeren Mengen in der Außenluft vorkommen. Die meisten Pollenallergiker:innen reagieren dabei auf Pollen der Gräser (über 50%) dicht gefolgt von der Birke (über 40%) und dem Beifuß (über 20%) (Hemmer et al. 2010).
Die Blühzeiten der wichtigsten allergenen Pflanzen sind in unserem Pollenflugkalender abrufbar.
Auch außerhalb der Pollensaison können Symptome bei Betroffenen auftreten. Grund hierfür ist meist eine sogenannte Kreuzallergie. Solche Kreuzreaktionen treten auf, weil das Immunsystem ähnlich aufgebaute Proteine mit dem primären Allergieauslöser verwechselt. Häufig sind Proteine in bestimmten Lebensmitteln oder auch anderen Pollentypen derselben Pflanzenfamilie sehr ähnlich strukturiert und können Allergiesymptome bei Kontakt verstärken/früher einsetzen oder länger bestehen lassen.
- Welche Symptome gibt es bei einer Pollenallergie?
Für eine Pollenallergie typisch sind Niesen, eine verstopfte oder laufende Nase (Rhinitis), gerötete, gereizte und tränende Augen (Konjunktivitis), sowie Juckreiz im Bereich von Gaumen, Nase und Ohren. Auch die Lunge kann in Form von Husten und Atembeschwerden bis hin zu einem allergischen Asthmas betroffen sein, wobei das allergische Asthma eine eigenständige Erkrankung darstellt.
Eine unbehandelte Pollenallergie erhöht langfristig das Risiko, an allergischem Asthma zu erkranken. Bei der Verlagerung der Symptome von den oberen in die unteren Atemwege spricht man vom sogenannten „Etagenwechsel“.
Im Schnitt beschreiben die meisten Pollenallergiker:innen ihre Allergiesymptome als leicht oder moderat. Starke Symptome werden eher seltener beschrieben (Lyuten et al. 2024).
Vorrangig gilt es gesichert zu wissen, wogegen eine Allergie besteht (Diagnose!) und die allergische Erkrankung gut in den Griff zu bekommen. Der Gang zu Fachärzt:innen ist hier essenziell. - Wie wird eine Pollenallergie diagnostiziert?
Bei einem Verdacht auf eine Pollenallergie empfiehlt es sich einen Facharzt/eine Fachärztin mit einer Spezialisierung auf allergische Erkrankungen aufzusuchen. Diese Spezialisierung findet sich häufig bei Kinderärzt:innen, Hals-. Nasen-, Ohrenärzt:innen, Hautärzt:innen und Lungenfachärzt:innen. Für die Diagnose stehen verschiedene Tests zur Verfügung. Nach einer ausführlichen Anamnese werden in der Regel ein Haut- und ein Bluttest durchgeführt. In komplexeren Fällen kann auch ein Provokationstest (direkter Kontakt mit dem Allergieauslöser) oder ein spezieller Chiptest, mit dem man eine große Anzahl von Allergenen (inklusiven Nahrungsmitteln) getestet werden, angezeigt sein. - Wie wird eine Pollenallergie behandelt?
Die Behandlung einer Pollenallergie fußt auf drei Säulen: der Allergenkarenz, der medikamentöse Therapie und der Immuntherapie.
Allergenkarenz bedeutet den Kontakt mit den auslösenden Stoffen gänzlich zu vermeiden oder zu reduzieren. Es empfiehlt sich also Tipps und Tricks zur Allergenvermeidung zu nutzen, um den Kontakt mit Pollen und dem jeweiligen Allergen so gering wie möglich zu halten sowie auf Pollenvorhersagen von wissenschaftlichen Institutionen zurückzugreifen. Eine vollständige Vermeidung ist in den meisten Fällen nicht möglich. Oftmals reicht aber eine Reduktion der Exposition und ein gewissenhafter Umgang im Alltag, um Symptome zu reduzieren.
Zur Behandlung der Symptome stehen eine Vielzahl von Medikamenten in Form von Nasensprays, Augentropfen, Tabletten oder Tropfen zur Verfügung. Antihistamine, Kortisonpräparate, Leukotrienantagonisten und Mastzellstabilisatoren sind die gängigsten Wirkstoffe. Der Wirkbereich der Medikation ist je nach Wirkstoff unterschiedlich (Klimek et al. 2024).
Die spezifische Immuntherapie ist bis heute die einzige mögliche „ursächliche“ Behandlung einer Pollenallergie. Hierbei wird dem Körper über längere Zeit in regelmäßigen Abständen das Allergen zugeführt, um eine Toleranz zu entwickeln. Es stehen unterschiedliche Formen (Spritzen, Tropfen teilweise auch Tabletten) für die Therapie zur Verfügung.
In jedem Fall wird eine ärztliche Beratung empfohlen, um die für jeden Patienten und jede Situation am besten geeignete Behandlungsmöglichkeit zu besprechen und die bestmögliche Lebensqualität mit Pollenallergie zu erreichen.
Wir verstehen uns als Service, das gerade bei der Allergenvermeidung nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen informiert und im täglichen Leben mit möglichst zutreffenden Pollenvorsagen unterstützen möchte.
Kontaktieren Sie uns gern bei Fragen.
Der Pollenservice Wien der MedUni Wien wünscht Ihnen alles Gute und begleitet Sie das ganze Jahr hindurch.
Pawankar, R., Canonica, G.W., Holgate S.T., Lockey, R.F. and Blaiss, M.S. (Eds.). 2013. WAO White Book on Allergy. World Allergy Organization.
Hemmer, W., Schauer, U., Trinca, A-M. und Neumann, C. 2010. Endbericht 2009 zur Studie Prävalenz der Ragweedpollen-Allergie in Ostösterreich. Am der NÖ Landesregierung, Landesamtsdirektion, Abt. Gebäudeverwaltung - Amtsdruckerei, St. Pölten.
Luyten A., Bürgler A., Glick S., Kwiatkowski M., Gehrig R., Beigi M., Hartmann K., Eeftens M. 2024. Ambient pollen exposure and pollen allergy symptom sevirity in the EPOCHAL study. Allergy 79:1908-1920. Doi: 10.1111/all.16130
Klimek, L., Mullol, J., Ellis, A.K., Izquierdo-Domínguez, A., Hagemann, J., Casper, I., Davis, A., Becker, S. 2024. Current Management of Allergic Rhinitis. Journal of Allergy and Clinical Immunology in Practice 12(6):1399-1412. Doi: 10.1016/j.jaip.2024.03.023.