(Wien, 16-07-2026) Als im Mai 2026 ein Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius für Schlagzeilen sorgte, blieb die Beunruhigung in der Bevölkerung insgesamt gering. Eine Online-Befragung von 836 Personen des LBI für Wissenschaftsvermittlung und Pandemievorsorge an der Medizinischen Universität Wien zeigt jedoch: Je risikobetonter die öffentliche Kommunikation wahrgenommen wurde, desto stärker die Verunsicherung – und dieser Zusammenhang war bei Wissenschafter:innen rund dreimal so stark wie bei journalistischer Berichterstattung.
Im Mai 2026 wurde international intensiv über einen Ausbruch des Andes-Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius berichtet, teils sogar über ein mögliches Pandemiepotenzial. Gesundheitsbehörden stuften das Risiko für die Allgemeinbevölkerung jedoch rasch als gering ein. Ein Team von Psycholog:innen am Ludwig Boltzmann Institut für Wissenschaftsvermittlung und Pandemievorsorge an der Medizinischen Universität Wien (LBI SOAP) untersuchte von Ende Mai bis Anfang Juni 2026, wie die öffentliche Kommunikation wahrgenommen wurde und wie stark sich Menschen durch das Virus beunruhigt fühlten. Das Thema war dabei sehr präsent: Fast die Hälfte der Befragten (45 %) war mehrmals pro Woche oder täglich damit konfrontiert, 6 von 10 suchten aktiv nach Informationen.
Die durchschnittliche Beunruhigung fiel niedrig aus. Gleichzeitig hing sie eng damit zusammen, wie die Kommunikation wahrgenommen wurde: Wer die Berichterstattung als risikobetont empfand, war stärker beunruhigt. Bemerkenswert ist, dass dieser Zusammenhang für die Kommunikation durch Wissenschafter:innen etwa dreimal so stark ausgeprägt war als für journalistische Berichterstattung. Das größte Vertrauen brachten die Befragten insgesamt der Wissenschaft entgegen, gefolgt von Gesundheitsinstitutionen wie der WHO oder dem Robert Koch-Institut. „Unsere Ergebnisse zeigen, wie sensibel die Öffentlichkeit darauf reagiert, in welcher Weise über Gesundheitsrisiken gesprochen wird. Gerade Wissenschafter:innen tragen mit ihrer Kommunikation maßgeblich dazu bei, wie Menschen ein Risiko einordnen – das ist Verantwortung und Chance zugleich“, so Julia Holzer, Leiterin der Forschungsgruppe.
Psychische Belastungen hängen mit Beunruhigung und Vertrauen zusammen
Auch die psychische Gesundheit spielte eine Rolle. Personen, die während der COVID-19-Pandemie stärkere negative Emotionen erlebt hatten oder aktuell ein geringeres Wohlbefinden aufwiesen, berichteten von mehr Beunruhigung und bewerteten die Vertrauenswürdigkeit von Wissenschafter:innen und Journalist:innen tendenziell geringer. Die Effekte waren klein, verweisen aber darauf, dass individuelle Belastungen sowohl mit der Risikowahrnehmung als auch mit der Bewertung von Informationsquellen zusammenhängen können. Bei der nicht repräsentativen Studie handelt es sich um eine Übersicht erster Ergebnisse.
Weitere Informationen: https://soap.lbg.ac.at/?lang=de