(Wien, 25-06-2026) Anna Lopatina von der Medizinischen Universität Wien zählt zu den Preisträger:innen der diesjährigen FWF-ASTRA-Preise. Die mit jeweils rund einer Million Euro dotierten Förderungen unterstützen aufstrebende Wissenschafter:innen auf dem Weg an die Spitze ihres Forschungsfelds. Lopatina wird ihr fünfjähriges Forschungsprojekt am Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien durchführen.
Mit den FWF-ASTRA-Preisen fördert der Wissenschaftsfonds FWF heuer 18 fortgeschrittene Postdocs in Österreich. Insgesamt stellt der FWF dafür 22 Millionen Euro zur Verfügung. Die Ausgezeichneten setzten sich in einem hochkompetitiven Auswahlverfahren und bei einem Hearing vor einer internationalen Jury durch. Elf der 18 Preise gehen an Frauen. Die geförderten Projekte verteilen sich auf unterschiedliche Bereiche der Grundlagenforschung – von Naturwissenschaften und Technik über Biologie und Medizin bis zu Geistes- und Sozialwissenschaften.
Strategien zur Umgehung der Immunabwehr entschlüsseln
Anna Lopatina widmet sich in ihrem ASTRA-Projekt der Frage, wie Viren bakterielle Immunsysteme überwinden. Bakterien verfügen über überraschend komplexe Abwehrmechanismen, die sie vor Virusinfektionen schützen. Dennoch bleiben Viren äußerst erfolgreich darin, bakterielle Wirte zu infizieren. Während in den vergangenen Jahren Hunderte bakterieller Abwehrsysteme entdeckt wurden, rücken die viralen Proteine, die diesen Systemen entgegenwirken, erst seit Kurzem verstärkt in den Fokus der Forschung.
Lopatina untersucht, wie Viren mehrere Strategien zur Umgehung bakterieller Abwehrmechanismen kombinieren und diese im zeitlichen Verlauf regulieren. Das Projekt soll dazu beitragen, einen der ältesten evolutionären Konflikte der Natur besser zu verstehen: den Kampf zwischen Bakterien und Viren.
Mögliche Ansätze gegen antibiotikaresistente Infektionen
Über die Grundlagenforschung hinaus könnte das Projekt auch neue Perspektiven für therapeutische Anwendungen eröffnen. Ziel ist es, Gestaltungsprinzipien für die Entwicklung von Viren zu identifizieren, die gezielt gegen Bakterien eingesetzt werden können. Solche Ansätze könnten langfristig neue Möglichkeiten im Umgang mit antibiotikaresistenten Infektionen schaffen.
Der FWF vergibt die ASTRA-Preise an Forschende, die mit innovativen Projektideen und international sichtbarem Potenzial überzeugen. In der zweiten Ausschreibungsrunde wurden Einreichungen von 170 Wissenschafter:innen begutachtet.
Zur Person
Anna Lopatina promovierte am Institut für Genbiologie in Moskau, wo sie mehrere wettbewerbsorientierte Forschungsstipendien erhielt, darunter die Förderung für zwei wissenschaftliche Expeditionen in die Antarktis. Anschließend wechselte sie als Postdoktorandin an das Weizmann-Institut für Wissenschaft in Rehovot, Israel, und wurde mit einem Senior Postdoctoral Award ausgezeichnet. Anschließend wechselte sie an die Universität Wien, wo sie sowohl ein Franziska-Seidl-Stipendium als auch ein Marie-Skłodowska-Curie-Postdoktorandenstipendium innehatte. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf den Wechselwirkungen zwischen Bakterien und Viren, insbesondere auf bakteriellen Immunsystemen und den viralen Proteinen, die diesen entgegenwirken. Sie hat zur Entdeckung und Charakterisierung bakterieller Abwehrsysteme und viraler Gegenabwehrmechanismen beigetragen und damit, unser Verständnis der molekularen Prinzipien zu vertiefen, die die Wechselwirkungen zwischen mikrobiellen Wirten und Viren bestimmen.