Die Abteilung für Neuropathologie und Neurochemie der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien trauert um Ao.Univ.Prof. Mag. Dr. Thomas Ströbel, der am 8. Mai 2026 nach schwerer Erkrankung viel zu früh von uns gegangen ist.
Thomas Ströbel wurde 1962 in Salzburg geboren, wo er gemeinsam mit seinen zwei Brüdern aufwuchs. Seine Schulausbildung sowie die Ausbildung zum medizinisch-diagnostischen Laboratoriumsdienst absolvierte er in Salzburg, danach schloss er ein Studium der Biochemie an der Universität Wien ab.
Er promovierte 1993 zum Doktor rer. nat. und arbeitete anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsinstitut für krebskranke Kinder des St. Anna Kinderspitals in Wien. Eine Stellenausschreibung im Journal Nature führte ihn an das Dana-Farber Cancer Institute der Harvard Medical School in Boston, USA, wo er 4 Jahre intensiv auf dem Gebiet der Tumorbiologie forschte. Diese Zeit war für ihn eine der wohl prägendsten Erfahrungen und bildete das Fundament seines späteren Wirkens in Forschung und Diagnostik. Nach seiner Rückkehr nach Wien arbeitete er zuerst am Institut für Molekulare Genetik der Universität Wien, ehe er 1999 in das Klinische Institut für Neurologie der MedUni Wien/AKH eintrat und dort die Leitung des neuromolekularbiologischen Labors übernahm.
Von Anfang an faszinierte Thomas Ströbel das Gebiet der Gewebekultur mit Analyse der Proteinexpression und Genetik, was 2002 zur Habilitation im Fach Tumorbiologie führte. Zu einem Zeitpunkt, wo Tissue Banking noch nicht selbstverständlich war, legte er eine systematische Gewebsbank als Grundlage vieler Forschungsarbeiten an. Obwohl er auch maßgeblich an der Etablierung von molekulargenetischen Nachweismethoden der Prionenerkrankungen beteiligt war, widmete er stets einen großen Teil seiner Energie der Erforschung und Diagnostik kindlicher und adulter Hirntumore. Diese Aktivität führte zu zahlreichen Publikationen in hochzitierten Journalen. Mit dem Wandel der neuroonkologischen Diagnostik in eine integrierte histologisch-molekularpathologische Befundung fokussierte sich Thomas Ströbel zunehmend auf die Etablierung der genetischen und epigenetischen Diagnostik einschließlich Panelsequenzierung und entwickelte gemeinsam mit seinem Team und den ärztlichen Kolleginnen und Kollegen die Neuromolekularpathologie an der MedUni Wien. Bis zuletzt widmete sich Thomas Ströbel trotz voranschreitender Erkrankung unbeirrbar seinen beruflichen Aufgaben.
Thomas Ströbel war nicht nur ein vorbildlicher Molekularbiologe, sondern auch ein leidenschaftlicher Mentor. In seiner Arbeitsgruppe verstand er es, zu motivieren und Lösungen für Probleme aufzuzeigen, und seine Hilfsbereitschaft war grenzenlos. Seine Kolleginnen und Kollegen schätzten ihn ganz besonders für seine unermüdliche Energie, Integrität und Warmherzigkeit. Sein fröhliches Lachen und seine heiteren Worte werden uns allen fehlen.
Wir nehmen in tiefer Trauer Abschied von einem höchst engagierten Kollegen und einen liebenswerten Menschen. Seine Visionen und etablierten Methoden werden weit über seine Zeit hinaus unsere Diagnostik prägen und damit immer Teil unserer Arbeit bleiben – zum Wohle der Patientinnen und Patienten. Es ist uns eine Ehre, diesen besonderen Menschen, Freund und Mentor kennengelernt zu haben.
Unser Mitgefühl gilt in dieser schweren Zeit besonders seiner Lebensgefährtin Barbara, seiner Familie und Angehörigen, und allen, die ihm nahestanden.
Romana Höftberger
Im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung für Neuropathologie und Neurochemie