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April 2006 | Barbara Bohle

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Univ.Doz. DI. Dr. Barbara BOHLE

Barbara BOHLE

RESEARCHER OF THE MONTH, April 2006

Die Jury „Researcher of the Month“ verleiht die Auszeichnung für diesen Monat Frau Univ.Doz. DI. Dr. Barbara Bohle. Anlass dieser Nominierung ist die Zuerkennung des Novartis-Preises für Biologie 2005 für Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Allergologie. Frau Bohle gehörte im Jahr 2005 zu den wohl erfolgreichsten Wissenschaftern auf dem Gebiet der Allergieforschung und erhielt für ihre Arbeiten den internationalen „Allergopharma-Preis für Allergieforschung 2005“ sowie eine „Honorable Mention“ des weltweit ausgeschriebenen „International Pharmacia Allergy Award 2005“.

Allergen-spezifische Immunantworten von T-Lymphozyten: Grundlage der IgE-vermittelten Soforttypallergie.
Frau Bohle und ihr Team beschäftigen sich mit der Charakterisierung der allergen-spezifischen Immunantwort von T-Lymphozyten, die der IgE-vermittelten Soforttypallergie zu Grunde liegt. Für diese Untersuchungen wird eine hochspezialisierte T-Zellklonierungstechnik eingesetzt, die es erlaubt, allergen-spezifische T-Lymphozyten aus dem Blut von Patienten zu isolieren und hinsichtlich ihres Phänotyps und der Allergenerkennung genauestens zu untersuchen. Frau Dr. Bohle hat die zelluläre Immunantwort gegen viele der wichtigsten Allergene und deren T-Zellepitope analysiert. Ihre Forschungsergebnisse haben zum gegenwärtigen Wissensstand, dass allergenspezifische T-Zellen der Subklasse Th2 eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie der Typ I-Allergie spielen, beigetragen. Es gilt heute als erwiesen, dass im allergischen Patienten ein Überschuss dieser allergen-spezifischen Th2-Zellen vorherrscht. Dieser Zelltyp produziert nach Kontakt mit Allergen große Mengen der IL-(Interleukin)-Zytokine IL-4, IL-5 und IL-13, die zur Produktion von allergenspezifischen IgE-Antikörpern und Eosinophilen führen, welche in der Folge die allergische Symptomatik auslösen.

Die einzige kausale Therapie für Typ I-Allergie ist derzeit die spezifische Immuntherapie. Eine erfolgreiche Therapie wird mit der Gegenregulation der pathologischen Th2-dominierten Immunantwort im allergischen Patienten assoziiert. Diese Gegenregulation erfolgt durch die Auslösung der Produktion von IFN (Interferon) Gamma, einem wichtigen Gegenspieler des IL-4, sowie des immunsuppressiven Zytokins IL-10. Verschiedene bakterielle Produkte können die Produktion dieser Zytokine auslösen, da sie vom menschlichen Immunsystem als Gefahrensignal erkannt werden. Arbeiten von Dr. Bohle zeigen, dass solche Moleküle die Effizienz der spezifischen Immuntherapie steigern, wenn sie einer Allergieimpfung zugesetzt werden. In diesem Zusammenhang hat Frau Bohle den Einsatz von kurzen bakteriellen DNA-Sequenzen in ihrem Zellkultursystem untersucht und konnte als erste nachweisen, dass diese Stoffe die Produktion von allergenspezifischem IgE hemmen können. Darüber hinaus hat Dr. Bohle kürzlich einen neuartigen Allergie-Impfstoff (ein Fusionsprotein, bestehend aus einem Oberflächenprotein von nicht pathogenen Bakterien und dem Hauptallergen im Birkenpollen) untersucht. Ihre In vitro- Studien ergaben, dass dieses Fusionsprotein - im Vergleich zum herkömmlichen Impfstoff - eine sehr starke Gegenregulation der allergischen Immunantwort und deutlich weniger allergische Nebenwirkungen auslöst.

Weitere Forschungsarbeiten von Frau Bohle und ihrem Team befassen sich mit der T-Zellimmunantwort, die der Nahrungsmittelallergie zu Grunde liegt. Auf diesem Gebiet wurde erstmals die Kreuzreaktionen von inhalativen Allergenen aus Baumpollen mit verwandten Proteinen in Nahrungsmitteln auf zellulärer Ebene untersucht; die erhaltenen Ergebnisse führten zu neuen Erkenntnissen über den Sensibilisierungsweg, aber auch über die Entwicklung möglicher Therapieansätze dieser Form der Nahrungsmittelallergie. Für diese Arbeiten wurde Frau Doz. Bohle 2004 der internationale Preis der „Foundation for Allergy Research in Europe (FARE)“ zuerkannt.

Persönliches
Frau Univ.Doz. DI. Dr. Barbara Bohle, 1967 in Bregenz geboren, maturierte mit Auszeichnung am Gymnasium in Dornbirn und absolvierte anschließend, ebenfalls mit ausgezeichnetem Erfolg, das Studium an der Akademie für den medizinisch-technischen Laboratoriumsdienst in Wien. Sie arbeitete dann als Medizinisch-technische Analytikerin am damaligen Institut für Allgemeine und Experimentelle Pathologie der Universität Wien, studierte gleichzeitig Lebensmittel- und Bio-technologie an der Universität für Bodenkultur in Wien und schloss dieses Studium mit Auszeichnung ab. Im Anschluss daran absolvierte sie am Institut für Allgemeine und Experimentelle Pathologie (mit Auszeichnung) ein Doktoratsstudium und wurde zum Dr. nat. techn. promoviert; anschließend arbeitete sie als Universitätsassistentin am Institut für Pathophysiologie (vormals Allg. u. Exp. Pathologie). Im Jahr 2002 habilitierte sich Frau DI Dr. Bohle für das Fach Immunologie und wurde Leiterin der Arbeitsgruppe Allergieforschung an diesem Institut. Sie erhielt eine Reihe von Preisen und Auszeichnungen, ist als Reviewer für internationale Journale sowie seit 2005 als Sekretärin der „Immunology Section of the European Academy of Allergology and Clinical Immunology (EAACI)“ tätig.

Literatur

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  6. Bohle, B., A. Breitwieser, B. Zwölfer, B. Jahn-Schmid, M. Sára, U. B. Sleytr and C. Ebner. A Novel Approach to Specific Allergy Treatment: The recombinant fusion protein of a bacterial cell surface (S-layer) protein and the major birch pollen allergen Bet v 1 (rSbsC-Bet v1) combines reduced allergenicity with immunomodulating capacity. J Immunol 172:6642, 2004
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  8. Bohle, B., L. Orel, D. Kraft, and C. Ebner. Oligodeoxynucleotides containing CpG motifs induce low levels of TNF-alpha in human B lymphocytes: possible adjuvants for Th1 responses. J Immunol 166:3743, 2001
  9. Bohle, B., B. Wagner, U. Vollmann, D. Buck, B. Niggemann, Z. Szepfalusi, G. Fischer, O. Scheiner, H. Breiteneder, and C. Ebner. Characterization of T cell responses to Hev b 3, an allergen associated with latex allergy in spina bifida patients. J Immunol 164:4393, 2000
  10. Bohle, B., B. Jahn-Schmid, D. Maurer, D. Kraft, and C. Ebner. Oligodeoxynucleotides containing CpG motifs induce IL-12, IL-18 and IFN-gamma production in cells from allergic individuals and inhibit IgE synthesis in vitro. Eur J Immunol 29:2344, 1999

Kontakt:
Univ.Doz. DI Dr. Barbara Bohle
Zentrum für Physiologie und Pathophysiologie
Institut für Pathophysiologie
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien

T.: + 43 (0)1 40400-5101
Fax: + 43 1 40400/6188
E-Mail: barbara.bohle@meduniwien.ac.at  
Web: http://www.meduniwien.ac.at/expatho/frameset.html