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Dezember 2008 | Dietmar Georg

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Univ.-Doz. DI Dr. Dietmar Georg

Dietmar Georg

RESEARCHER OF THE MONTH, Dezember 2008

Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung für diesen Monat Herrn Univ.Doz. DI Dr. Dietmar Georg aus Anlass der in kurzem Abstand erschienen Publikationen „Image-guided radiotherapy for cervix cancer: high-tech external beam therapy vs. High-tech brachytherapy” und „Can protons improve SBRT for lung lesions? -dosimetric considerations” in den Top-Journalen International Journal of Radiation Oncology, Biology, and Physics [1] und Radiotherapy and Oncology [2]. Diese Publikationen entstanden in der von ihm geleiteten Abteilung für Medizinische Strahlenphysik an der Univ.-Klinik für Strahlentherapie (Leiter: Univ.-Prof. Dr. R. Pötter). In diesen Publikationen wird der Stellenwert der Protonentherapie in der modernen Radioonkologie anhand von Planungsstudien untersucht und den bestehenden „High-tech”-Verfahren gegenübergestellt.

„Welche Bedeutung hat die Protonentherapie in der modernen Radioonkologie?”
Die Protonentherapie - oder allgemein gesprochen: die Therapie mit schweren geladenen Teilchen („Ionentherapie”) - ist seit mehreren Jahren ein wichtiges Forschungsgebiet in der Radioonkologie, sowohl für die Medizin als auch für die Medizinische Physik und die Strahlenbiologie. Dies zeigt sich darin, dass in Europa 7 derartige Einrichtungen kurz vor der Inbetriebnahme oder in Planung sind. Zurzeit gibt es in Europa nur ein Zentrum, das PSI (Paul Scherrer Institut, Villingen, Schweiz), welches Patienten ohne Einschränkung der Tumorlokalisation mit Protonen behandelt. Die Ergebnisse der vorliegenden Planungsstudien lieferten wichtige Erkenntnisse betreffend der bestmöglichen Anwendung von Protonenstrahlen, zum Beispiel im zukünftigen Ionentherapiezentrum „Med-Austron” in Österreich (geplant in Wr. Neustadt, NÖ).

Rezente Publikationen haben gezeigt, dass die Protonentherapie ein viel- versprechendes Potential auf dem Gebiet der Radioonkologie aufweist. Physikalisch-technische Fragestellungen zur Erzeugung und Anwendung klinisch nutzbarer Protonenstrahlung und der klinische Benefit bei der Behandlung verschiedener Tumorerkrankungen sind ein sehr aktueller Forschungsbereich in der Radioonkologie und der medizinischen Strahlenphysik. Doz. Georg und seine Mitarbeiter haben in den wissenschaftlichen Arbeiten das klinische Potential von intensitätsmodulierten gescannten Protonen (Intensity Modulated Proton Therapy - IMPT) für die Behandlung von kleinvolumigen Tumoren aus den Bereichen der Gynäkologie, Pulmologie und Pädiatrie theoretisch untersucht. IMPT ist eine neue Strahlentherapietechnik, bei der sogenannte Protonen-Nadelstrahlen mit Hilfe von Magneten quer über das Bestrahlungsfeld gescannt werden, wobei die Intensität der Protonenstrahlen von Rasterpunkt zu Rasterpunkt variiert wird. Derzeit wird diese Art der Therapie weltweit nur in wenigen Zentren (< 5) klinisch erprobt. Aufgrund der vorteilhaften Charakteristik von Protonenstrahlung im Vergleich zu den herkömmlich verwendeten Strahlenarten (Photonen, Elektronen) wird das den Tumor umgebende gesunde Gewebe durch die Bestrahlung weniger betroffen.

Es hat sich gezeigt, dass sich bei der Behandlung von Tumoren aus dem Bereich der Pädiatrie durch die Verwendung der Protonentherapie Vorteile zu erwarten sind [3]. Mit Hilfe von strahlenbiologischen Modellen wurde nachgewiesen, dass bei Kindern durch die effizientere Aussparung des peritumoralen Gewebes das Risiko von Sekundärtumoren deutlich sinkt. Hingegen konnte demonstriert werden, dass die an der Univ.-Klinik für Strahlentherapie routinemäßig praktizierten „High-tech”-Verfahren (Bildgestützte Brachytherapie in der Gynäkologie und Stereotaktische Radiotherapie bei Lungentumoren) der Protonentherapie gleichwertig sind

Wissenschaftliches Umfeld
Univ.Doz. Dr. Georg leitet seit 2000 die Abteilung für Medizinische Strahlenphysik an der Univ.-Klinik für Strahlentherapie. Das Fachgebiet der Medizinischen Strahlenphysik ist eine Partnerdisziplin der Radioonkologie und umfasst die therapeutische und diagnostische Anwendung von ionisierender Strahlung. Die Abteilung betreibt Grundlagenforschung, translationale Forschung sowie angewandte Forschung. Die Grundlagenforschung beschäftigt sich beispielsweise mit dem Einsatz neuer Strahlenarten in der Radioonkologie und den dabei auftretenden fundamentalen Fragestellungen in der Dosismessung und Dosisberechung. Die beiden anderen anwendungsorientierten Forschungsbereiche konzentrieren sich auf die physikalisch-technischen Aspekte der Individualisierung und Adaptierung der Radiotherapie - ein wesentliches Ziel neuer Therapieansätze. In der modernen Radioonkologie kommen vermehrt bildgebende Systeme (CT, Röntgen, PET, MR, Ultraschall) zum Einsatz und zwar sowohl vor, als auch während und nach der Therapie. Der Hintergrund ist, die Präzision der Strahlanwendung in Bezug auf die Geometrie und Dosimetrie unter Berücksichtung zeitlich veränderlicher Vorgänge (z.B. Atmung, Änderung von Organfüllzuständen und damit der Tumorlage) weiter zu verbessern. Die technische Integration aller Bilddaten sowie die Ableitung und Weiterverarbeitung von Informationen aus den Bilddaten - als Grundlage der Therapieplanung und/oder zur automatischen Steuerung der Therapieanwendung - sind hier zentrale Fragestellungen („Image Guided Radiotherapy”). Durch diese Entwicklungen hat sich das Aufgabengebiet der Medizinischen Strahlenphysik in den letzten Jahren von traditionellen Bereichen wie Dosismessung, Dosisberechnung, Strahlenschutz, Bestrahlungsplanung inklusive Optimierung um die medizinische Bildverarbeitung erweitert.

Dozent Dr. Georg hat in den letzten Jahren als Projektleiter oder als Mitantragsteller mehrere Forschungsanträge verfasst. Die Summe der Drittmittel, die er über EU-Projekte, FWF, Nationalbank und Industrie als „Principal Investigator” oder „Co-Investigator” eingeworben hat, beträgt ca. € 3,7 Millionen.

Persönliches
Dietmar Georg wurde 1968 in Braunau am Inn geboren und promovierte 1997 an der Technischen Universität Wien. In den Jahren 1995 bis 1999 war er an der Klinik für Strahlentherapie der Katholischen Universität Leuven, Belgien, als Dissertant und später als Post-Doc im Rahmen eines Erwin Schrödinger-Stipendiums des FWF tätig. Seit 1999 ist er an der Univ.-Klinik für Strahlentherapie und hat 2000 die Leitung der Physikgruppe an der Klinik übernommen. Im Jahr 2001 erfolgte die Habilitation an der Universität Wien für das Fach Medizinische Physik.

Seit seiner Rückkehr 1999 an die MUW hat Dr. Georg als Medizin-Physiker mehr als 30 Diplomarbeiten und Disserationen von Physikstudenten der Universität Wien, Technischen Universität Wien und der MUW betreut.

Von 2005-2008 war Dozent Georg gewähltes Mitglied des „ESTRO Board of Directors” und ist seit 2001 Mitglied des Physik-Komitees der European Society for Therapeutic Radiology and Oncology (ESTRO). Dabei handelt es sich um eines der 5 sogenannten „Standing Committees” der ESTRO, welche innerhalb des multidisziplinären Fachgebietes der Radioonkologie für jeweils ein bestimmtes Fachgebiet zuständig sind. Von 1998 bis 2008 war er Vortragender des Kurses „Dose calculation and verification for external beam therapy”, in den letzten 5 Jahren auch Kursdirektor. Doz. Georg ist mit Prof. Mijnheer (Medizinphysiker am NKI - Niederländisches Krebsinstituts/Amsterdam) Mitherausgeber des Buches „Guidelines for Verification of Intensity Modulated Radiotherapy”, das eine Europäische Richtlinie zur Qualitätssicherung von High-tech-Strahlentherapieverfahren darstellt.

Ausgewählte Literatur

  1. Georg D., Kirisits Ch, Hillbrand M, Dimopoulos, J, Pötter R (2008) Image-guided radiotherapy for cervix cancer: high-tech external beam therapy vs. High-tech brachytherapy. Int. J. Rad. Onc. Biol. Phys. 71, 1272-1278. 
  2. Georg D., Hillbrand M, Stock M, Dieckmann K, Pötter R (2008) Can Protons improve SBRT for lung lesions? - dosimetric considerations. Radioth. Oncol. 88, 368-375. 
  3. Hillbrand M, Georg D, Gadner H, Pötter R, Dieckmann K (2008) Potential role of intensity modulated proton therapy for infradiaphragmatic neuroblastoma during childhood. Radioth. Oncol. Radioth. Oncol. 89:141-149

Kontakt
Univ.-Doz. DI Dr. Dietmar Georg
Abteilung für Medizinische Strahlenphysik
Universitätsklinik für Strahlentherapie
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien

T.: +43 (0)1 40400 2695
Fax: +43 1 40400 2696
E-Mail: dietmar.georg@meduniwien.ac.at