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Februar 2007 | Gregor Hron

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Dr. Gregor Hron

Gregor Hron

MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, Februar 2007

Die Jury "Researcher of the Month" verleiht die Auszeichnung für diesen Monat Herrn Dr. Gregor Hron aus Anlass der Publikation "Identification of patients at low risk for recurrent venous thromboembolism by measuring thrombin generation", die kürzlich in dem renommierten Journal "The Journal of the American Medical Association" (JAMA) erschienen ist [1]. In dieser Arbeit konnten Herr Hron und Koautoren zeigen, dass Patienten mit einer Venenthrombose durch die Bestimmung der Thrombinbildungs-kapazität im Hinblick auf das Rezidivrisiko stratifiziert werden können. Diese Beobachtung hat große klinische Bedeutung, da Patienten mit niedriger Thrombingenerierung auf Grund des geringen Rezidivrisikos von einer langdauernden Blutverdünnung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht profitieren würden.

Stratifizierung von Patienten mit Venenthrombose mittels einfacher Gerinnungstests zur Erkennung des Rezidivrisikos
Die venöse Thromboembolie ist eine chronische Erkrankung. Bei ca. 1/3 der Patienten kommt es innerhalb von 5 bis 8 Jahren zu einem neuerlichen thromboembolischen Ereignis; etwa 5 % dieser Patienten versterben an Lungenembolie. Bestimmte Veränderungen im Gerinnungssystem wie Antithrombin-, Protein C- oder Protein S-Mangel, Lupushemmstoff oder hohe Faktor-VIII-Spiegel sind wichtige Risikofaktoren für das Wiederauftreten von Venenthrombosen. Die blutverdünnende Therapie mit einem Vitamin K-Antagonisten bietet zwar einen fast vollständigen Schutz vor Rezidivthrombosen, verursacht aber ein nicht unbeträchtliches Blutungsrisiko. Von einer lang dauernden Blutverdünnung profitieren daher nur Patienten mit einem besonders hohen Rezidivrisiko. Die Identifikation von Patienten mit besonders hoher oder besonders niedriger Rezidivwahrscheinlichkeit mittels einfacher Gerinnungstests, welche die multikausale Pathogenese der Venenthrombose widerspiegeln, ist daher ein vorrangiges Ziel der Thromboseforschung und -therapie.

Der finale Schritt im Ablauf der Gerinnungskaskade ist die Thrombinbildung. Thrombin aktiviert die Thrombozyten, wandelt Fibrinogen in Fibrin um und stabilisiert das Gerinnsel durch Aktivierung des Faktors XIII. Die In vitro-Thrombinbildungs- kapazität kann durch einen einfachen, standardisierten Gerinnungstest bestimmt werden. Dabei wird die Thrombinbildung durch Gewebefaktor ("Tissue factor") und Phospholipide ausgelöst und kontinuierlich aufgezeichnet. Im Rahmen einer prospektiven Kohortenstudie hat Dr. Hron die Thrombingenerierung bei 914 Patienten, die eine erste spontane Venenthrombose durchgemacht hatten, gemessen. Jene Patienten, bei denen im Thrombintest ein niedriger Wert (peak thrombin < 400 nM) gefunden wurde, hatten ein um 60% niedrigeres Rezidivrisiko als jene mit höheren Werten. Nach 4 Jahren betrug die Rezidivwahrscheinlichkeit bei Patienten mit hohem peak thrombin circa 20%, bei Patienten mit niedrigen Werten aber nur 7%. Diese Beobachtungen führen zu dem Schluss, dass Patienten mit niedriger Thrombinbildung aufgrund ihres niedrigen Rezidivrisikos von einer Dauertherapie mit einem Vitamin K-Antagonisten höchstwahrscheinlich nicht profitieren. Die Bestimmung der in vitro Thrombingenerierung scheint daher für die Festlegung der Dauer der Antikoagulanzientherapie besonders hilfreich zu sein. Diese Erkenntnis ist Anlass zu weiteren, insbesonders interventionellen prospektiven klinischen Studien, die derzeit in Planung sind.

Dr. Hron arbeitet seit etwa drei Jahren in der Arbeitsgruppe von Prof. Kyrle und Prof. Eichinger. Er hat sich in dieser Zeit mit vielen klinischen Fragestellungen beschäftigt, insbesonders mit der Voraussagbarkeit der Rezidivvenenthrombose mittels Globaltests der Gerinnung [4, 5]. Herr Hron konnte auch zeigen, dass Patienten mit einer partiellen Thromboplastinzeit im oberen Normbereich ein niedriges Rezidivrisiko haben [2]. Darüber hinaus befasst sich Dr. Hron mit grundlagenorientierten Projekten mit dem Ziel, die Gerinnungsaktivierung bei Tumorpatienten näher zu charakterisieren und Pathomechanismen der Thrombophilie bei diesen Patienten aufzuklären [3].

Persönliches
Gregor Hron, Jahrgang 1980, begann 1999 mit dem Studium der Humanmedizin an der Universität Wien, absolvierte ein Studienjahr an der Université de Lausanne (Schweiz) und promovierte 2004 mit einer Dissertation an der neu gegründeten Medizinischen Universität Wien. Er arbeitet seit 2003 an der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, und steht dort seit 2006 in Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin.

Literatur

  1. Hron G, Kollars M, Binder BR, Eichinger S, Kyrle PA. Identification of patients at low risk for recurrent venous thromboembolism by measuring thrombin generation. 
  2. JAMA, 2006;296:397-402.
  3. Hron G, Eichinger S, Weltermann A, Quehenberger P, Halbmayer PM, Kyrle PA. Prediction of recurrent venous thromboembolism by the activated partial thromboplastin time. 
  4. J Thromb Haemost 2006;4:752-756,
  5. Hron G, Kollars M, Weber H, Sagaster V, Quehenberger P, Eichinger S, Kyrle PA, Weltermann A. Tissue factor positive microparticles - cellular origin and association with coagulation activation in patients with colorectal cancer.
  6. Thromb Haemost 2007;97:119-123
  7. Hron G, Eichinger S, Weltermann A, Minar E, Bialonczyk C, Hirschl M, Stain M, Schönauer V, Kyrle PA. A positive family history of venous thromboembolism does not predict a high risk of recurrence. 
  8. Am J Med 2006;119:50-53
  9. Eichinger S, Pecheniuk N, Hron G, Deguchi H, Schemper M, Kyrle PA, Griffin JH. High Density Lipoprotein and The Risk Of Recurrent Venous Thromboembolism. 
  10. Circulation 2007, in press

Kontakt
Dr. Gregor Hron
Universitätsklinik für Innere Medizin I
Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie
Währingergürtel 18-20
1090 Wien

T: +43 (0)1 40400-4413
F: +43 (0)1 40400-4030
gregor.hron@meduniwien.ac.at