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Februar 2008 | Claudia Schüller-Weidekamm

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Priv.Doz. Dr. Claudia Schüller-Weidekamm

Claudia Schüller-Weidekamm

MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, Februar 2008

Die Jury "Researcher of the Month" verleiht die Auszeichnung für diesen Monat Frau Priv.Doz. Dr. Claudia Schüller-Weidekamm aus Anlass der 2007 erschienenen Publikation "Comparison of Power Doppler Ultrasound to Pulse-Inversion Harmonic Imaging after Contrast in Evaluation of Rheumatoid Arthritis Synovitis" in dem radiologischen Top-Journal "American Journal of Roentgenology, (2). Das Ziel dieser Studie war es, die Veränderungen der entzündlichen Vaskularisation der Fingergelenke bei Patienten mit rheumatoider Arthritis vor und nach mittel- bis hochdosierter Steroidtherapie mit Hilfe der Pulse-Inversion Harmonic Imaging-Technik (PIHI) im Vergleich zur Power Doppler-Sonographie festzustellen. Diese Studie wurde an insgesamt 280 untersuchten Fingergelenken von PatientInnen mit rheumatoider Arthritis (RA) durchgeführt, wobei die diagnostische Überlegenheit der KM-unterstützten PIHI-Technik nachgewiesen werden konnte. Neben der Frühdiagnose ermöglicht diese Technik auch eine effektive Überprüfung der eingesetzten Therapie anhand des Rückganges der aktiven Entzündungskomponente.

Die KM-unterstützte Sonographie (PIHI) ist eine verlässliche Methode zur Früherkennung und Therapiekontrolle bei PatientInnen mit rheumatoider Arthritis (RA) der Fingergelenke
Der Einsatz der Gelenkssonographie der peripheren Gelenke gewinnt in der Frühdiagnostik der RA zunehmend an Bedeutung. Die RA ist eine chronische Systemerkrankung mit schubhaftem Verlauf und tritt mit einer Häufigkeit von 0,5-1 % in der Bevölkerung auf, wobei Frauen etwa dreimal häufiger betroffen sind. Im Frühstadium der Erkrankung liegt eine entzündliche Hypervaskularisation der Synovialis vor, die im fortgeschrittenem Stadium zur Bildung von Pannusgewebe führt, welches Knorpel und die angrenzenden ossären Strukturen zerstört und die bekannten irreversiblen Gelenksdestruktionen verursacht.

Technische Fortschritte in der Sonographie führten in der letzten Dekade durch den Einsatz von hochfrequenten Linearschallköpfen (>10 MHz) zu einer erheblich verbesserten Bildauflösung. Die zusätzliche Verwendung von Microbubble-KM (SonoVue®, Bracco) in Kombination mit modernen Harmonic Imaging-Techniken (sie ermöglichen eine verbesserte Darstellung bewegter Teilchen, z.B. Erythrozyten, Microbubble-KM), hat die Sensitivität des Nachweises einer entzündlichen Hypervaskularisation noch deutlich verbessert und sich gegenüber der "Power Doppler- Sonographie" (Farbdoppler-Verfahren ohne KM) als überlegen erwiesen.

Einschlusskritierien für die untersuchten Patienten, zugewiesen von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie (Univ.-Prof. Dr. J. Smolen), waren Alter (> 18 Jahre), keine aktuelle Steroidtherapie und Diagnose der RA entsprechend den Kriterien des American College of Radiology sowie Feststellung der Krankheitsaktivität durch den "Disease Activity Score" (DAS28). In dieser Studie wurden Patienten mit "DAS28" > 3,2 (= aktive Entzündung) eine Woche lang mit mittel- bis hochdosierten Kortikosteroiden behandelt, und der therapeutische Effekt wurde durch einen Vergleich der laborchemischen Parameter (CRP, BSG, Rheumafaktor) mit dem klinischen Befund (Druckschmerz, Schwellung, Rötung, Morgengelenkssteifigkeit) und den Ergebnissen der Sonographie vor und nach Therapie ermittelt. Das Ausmaß der Vaskularisation in der Power Doppler-Sonographie wurde mit Hilfe eines Scoring-Systems von 1 bis 4 bewertet, wobei der Grad 4 die stärksten entzündlichen Veränderungen repräsentiert. Die am stärksten befallenen Fingergelenke wurden zusätzlich mit der KM-unterstützten PIHI-Sonographie untersucht.

Beim Vergleich zwischen den beiden unterschiedlichen Ultraschall-methoden zeigte sich, dass auch sehr geringe Änderungen der ent-zündlichen Vaskularisation besser mit der KM-unterstützten PIHI-Sonographie dargestellt werden konnten. Durch dynamische Messungen konnte die Anflutung der Mikrobläschen selbst in den kleinsten Gefäßen quantifiziert werden. Die Ergebnisse aus dieser Arbeit zeigen die Notwendigkeit des Einsatzes der Sonographie, insbesondere der kontrastmittelunterstützten Sonographie, um die Frühdiagnose der RA zu unterstützen und den Therapieeffekt zu überwachen.

Wissenschaftliches Umfeld
Bereits seit ihrer Studienzeit in Freiburg im Breisgau und in Wien beschäftigte sich Frau Dr. Schüller-Weidekamm mit sonographischen Untersuchungsmethoden. Nach dem Studienabschluss in Wien konzentrierte sich ihr Interesse auf die Gelenkssonographie. Als Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe "Rheumadiagnostik" (Leiter: Univ.-Prof. Dr. Franz M. Kainberger) an der Universitätsklinik für Radiodiagnostik hat Frau Dr. Schüller-Weidekamm ein international etabliertes Scoring-System zur genaueren Graduierung der entzündlichen Gelenksveränderungen eingeführt (1). Dieses Scoring-System wird sowohl im Rahmen der Routinearbeit als auch für Studien verwendet. Die wissenschaftliche Tätigkeit findet in enger Kooperation mit der Klinischen Abteilung für Rheumatologie der MUW statt (3). 

Auf internationaler Ebene besteht mit der Arbeitsgruppe DICHOA (Disease Characteristics in Hand Osteoarthritis) ein intensiver wissenschaftlicher Erfahrungsaustausch zur Verbesserung der bildgebenden Diagnostik (4).

Persönliches
Claudia Schüller-Weidekamm wurde 1975 in Konstanz geboren und maturierte mit Auszeichnung in Weil am Rhein. 1994-1997 Studium der Philosophie und Humanmedizin an der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg in Breisgau. 1997 ermöglichte ein Erasmus-Stipendium die Fortsetzung des Medizinstudiums in Wien, wo sie 2000 mit einer experimentellen Dissertation zum Thema "Einfluss von Interferon-alfa und Thrombopoietin auf das Wachstum von megakaryozytären Zellinien" zum Dr. med. univ. promovierte. Die Ausbildung an der Universitätsklinik für Radiodiagnostik beendete sie im Dezember 2006 mit der Facharztprüfung. Habilitation 2007 mit dem Thema "Konventionelle und moderne Ultraschallverfahren in der Rheumadiagnostik". 

Dr. Claudia Schüller-Weidekamm erhielt bereits mehrere Preise, darunter den wissenschaftlichen Förderungspreis der Österreichischen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (2003) sowie den Wolf-Dieter-Sager-Preis (2004). Sie kann darüber hinaus auf eine umfangreiche nationale und internationale Vortragstätigkeit sowie Moderation bei internationalen Kongressen zurückblicken. Zu dem ist sie Gutachterin auf dem Gebiet der muskuloskelettalen Radiologie für renommierte internationale Journale (Am J Roentgenol, Eur J Radiol und Eur Radiol.).

Ausgewählte Literatur

  1. Weidekamm C, Köller M, Weber M, Kainberger F, Imhof H (2003): Diagnostic Value of High-Resolution B-Mode and Power Sonography for Imaging of Hand and Finger Joints in Rheumatoid Arthritis. - Arthritis Rheum. 48:325-333
  2. Schueller-Weidekamm C, Krestan C, Schueller G, Kapral T, Aletaha D, Kainberger F (2007): Comparison of Power Doppler Ultrasound to Pulse-Inversion Harmonic Imaging after Contrast in Evaluation of Rheumatoid Arthritis Synovitis. - Am J Roentgenol 188:504-508
  3. Schueller-Weidekamm C, Schueller G, Aringer M, Weber M, Kainberger F (2007): Impact of sonography in gouty arthritis: Comparison with conventional radiography, clinical examination, and laboratory findings. - Eur J Radiol 62:437-443
  4. Keen HI, Lavie F, Wakefield RJ, D'Agostino MA, Berner Hammer H, Hensor EMA, Pendleton A, Kane D, Guerini H, Schueller-Weidekamm C, Kortekaas MC, Birrel F, Kloppenburg M, Stamm T, Watt I, Smolen JS, Maheu E, Dougados M, Conoghan PG (2007): The development of a preliminary ultrasonographic scoring system for features of hand osteoarthritis. - Ann Rheum Dis.

Kontakt
Frau Priv.Doz.Dr.Claudia Schüller-Weidekamm
Univ.-Klinik für Radiodiagnostik
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien

T: +43 (0)1 40400-4818
claudia.schueller-weidekamm@meduniwien.ac.at
www.radiodiagnostik-akh.wien.at