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März 2011 | Cihan Ay

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Priv.-Doz. Dr. Cihan Ay

Cihan Ay

MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, März 2011

Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung für diesen Monat Herrn Priv.-Doz. Dr. Cihan Ay aus Anlass der 2010 in dem Top-Journal „Blood” “(IF 10,555) veröffentlichten Arbeit ”Prediction of venous thromboembolism in cancer patients” [1]. Diese Publikation entstand in der Arbeitsgruppe von Univ.-Prof. Dr. I. Pabinger-Fasching an der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, in Kooperation mit der Klinischen Abteilung für Onkologie (Leiter: Univ.-Prof. Dr. C. Zielinski), der Klinischen Abteilung für Medizinisch-chemische Labordiagnostik (Leiter: Univ.-Prof. Dr. O. Wagner) und dem Institut für Klinische Biometrie (Leiter: Univ.-Prof. Mag. Dr. M. Schemper). Ein Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe ist die Identifizierung von prädiktiven Risikofaktoren für das Auftreten von venösen Thromboembolien bei Krebspatienten im Rahmen der „Vienna Cancer and Thrombosis Study (CATS)“. Bisher konnten im Rahmen dieser Studie verschiedene Biomarker zur Vorhersage des Risikos für venöse Thromboembolien bei Krebspatienten identifiziert werden [2-5]. In der aktuellen Arbeit konnte nun ein neuer Risiko-Score entwickelt werden, der eine noch genauere Vorhersage des individuellen Thrombose-Risikos bei Krebspatienten ermöglicht. Die ausgezeichnete Publikation ist international auf eine große Resonanz gestoßen, und die Presse in den USA und in Österreich berichtete ausführlich von diesem neuen Risiko- Score.

Neuer Risiko-Score zur Vorhersage des Thrombose-Risikos bei Tumorpatienten
Venöse Thromboemolien gehören zu den häufigsten Komplikationen bei Tumorerkrankungen und gelten bei Krebspatienten als eine der häufigsten Ursachen für eine zusätzliche den Krankheitsverlauf erschwerende Morbidität und eine erhöhte Mortalität. Im Vergleich zu Patienten ohne eine Tumorerkrankung haben Tumorpatienten ein 4 bis 7-fach erhöhtes Thrombose-Risiko. Insgesamt erleiden etwa bis zu 20 % der Tumorpatienten eine venöse Thromboembolie (tiefe Beinvenenthrombosen und Lungenembolien). Die Vorhersage des individuellen Thrombose-Risikos und die daraus folgende Notwendigkeit einer medikamentösen Thrombose-Prophylaxe sind eine große Herausforderung in der klinischen Praxis, aufgrund des unterschiedlichen Thromboembolie-Risikos der heterogenen Population der Krebspatienten, bei welchen die Antikoagulation mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert ist. Daher sind prädiktive Risikofaktoren zur individuellen Risikostratifizierung wesentlich für die Entwicklung präventiver Maßnahmen. 

In der vorliegenden Studie wurde ein verbessertes Modell für die Vorhersage des Thrombose-Risikos bei Tumorpatienten entwickelt. Das bereits bekannte Risiko-Modell, welches klinische Kriterien und Laborparameter – wie die Tumorentität, den Body-Mass-Index, Thrombozyten – und Leukozytenzahl sowie Hämoglobinspiegel beinhaltet, wurde durch zwei neue prädiktive Biomarker, solubles P-Selektin und D-dimer, ergänzt und in einem Punktesystem zusammengefasst. Dadurch konnten Tumorpatienten in verschiedene Risikokategorien eingeteilt und auf eine einfache Weise das Thrombose-Risiko sehr präzise beurteilt werden.

In dieser Studie wurden 819 Patienten prospektiv analysiert. So entwickelten 35 % der Patienten in der höchsten Risikokategorie dieses neuen Risiko-Modells im Beobachtungszeitraum von 656 Tagen eine Thrombose, während die Thrombose-Rate bei Patienten in der mittleren Risikokategorie 10 % betrug und in der niedrigsten Risikokategorie bei 1% lag.

Unter dem Aspekt des Blutungsrisikos durch die Thrombose-Prophylaxe lässt die routinemäßige Anwendung der Antikoagulatientherapie vor allem in der höchsten Risikogruppe den größten Nutzen erwarten, während Patienten mit niedrigem Risiko für die routinemäßige Thromboseprophylaxe nicht geeignet sind.

Interventionsstudien, die den Vorteil der primären Thrombose-Prophylaxe bei Patienten mit einem Hochrisikoprofil, basierend auf einer Risikostratifizierung, untersuchen, sind dennoch erforderlich.

Wissenschaftliches Umfeld
Schon während seines Medizinstudiums begann Dr. Ay in der Arbeitsgruppe von Univ.-Prof. Dr. I. Pabinger-Fasching an der Universitätsklinik für Innere Medizin I (Leiter: Univ. Prof. Dr. C. Zielinski), Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie (Leiter: Univ. Prof. Dr. U. Jäger), wissenschaftlich zu arbeiten. Bereits im Rahmen seiner Dissertation beschäftigte er sich mit klinischen Fragestellungen zur venösen Thromboembolie, insbesondere mit der Erforschung neuer Risikofaktoren für Venenthrombosen [6,7]. Ein besonderer Schwerpunkt seiner rezenten Forschungstätigkeit ist die Vorhersagbarkeit von venösen Thromboembolien bei Krebspatienten mittels Laborparametern bzw. Biomarkern [2,3]. Darüber hinaus beschäftigt sich Dr. Ay in seiner Arbeitsgruppe gemeinsam mit Dr. J. Thaler mit grundlagenorientierten Projekten zur Beschreibung der Gerinnungsaktivierung und Aufklärung von Pathomechanismen der Thromboseentstehung bei Tumorpatienten. Zu diesem Zweck absolvierte Dr. Ay zwei kurze Studienaufenthalte am „Hemostasis and Thrombosis Research Center, Leiden University Medical Center“ in Leiden, Niederlande (Forschungsgruppe: Prof. R.M. Bertina) und an der „University of North Carolina at Chapel Hill”, Chapel Hill, North Carolina, USA (Forschungslabor: Prof. N. Mackman).

Persönliches
Priv.-Doz. Dr. Cihan Ay, Jahrgang 1980, maturierte 1999 in Wien und begann nach dem Präsenzdienst im Jahr 2000 mit dem Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Universität Wien. Im Rahmen des ERASMUS Mobilitätsprogramms der Europäischen Union absolvierte er einen Auslandsaufenthalt an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und promovierte 2006 in Mindeststudiendauer mit einer Dissertation zur Erforschung neuer Risikofaktoren für venöse Thromboembolien an der Medizinischen Universität Wien, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie, unter der Betreuung von Univ.-Prof. Dr. I. Pabinger-Fasching. Für seine hervorragenden Studienleistungen erhielt er ein Leistungsstipendium der Medizinischen Universität Wien. Anschließend war er in der Arbeitsgruppe von Univ.-Prof. Dr. I. Pabinger-Fasching als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig und begann 2007 an der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie (Leiter: Univ.-Prof. Dr. U. Jäger) seine Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin. Dr. Ay wurde bisher mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Nachwuchsförderpreis der Gesellschaft für Thrombose und Hämostaseforschung (GTH), Young Investigator Award der “International Society on Thrombosis and Haemostasis” (ISTH) und dem Wolfgang Denk-Preis der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (ÖGHO).

Priv.-Doz. Dr. Ay ist verheiratet, ein begeisterter Fußballer und langjähriger Fußball-Schiedsrichter.

Ausgewählte Literatur

  1. Ay C, Dunkler D, Marosi C, Chiriac AL, Vormittag R, Simanek R, Quehenberger P, Zielinski C, Pabinger I. Prediction of venous thromboembolism in cancer patients. Blood. 2010 Dec 9;116(24):5377-82
  2. Simanek R, Vormittag R, Ay C, Alguel G, Dunkler D, Schwarzinger I, Steger G, Jaeger U, Zielinski C, Pabinger I. High platelet count associated with venous thromboembolism in cancer patients: results from the Vienna Cancer and Thrombosis Study (CATS). J Thromb Haemost. 2010 Jan;8(1):114-20.
  3. Ay C, Vormittag R, Dunkler D, Simanek R, Chiriac AL, Drach J, Quehenberger P, Wagner O, Zielinski C, Pabinger I. D-Dimer and Prothrombin Fragment 1+2 Predict Venous Thromboembolism in Cancer Patients – Results from the Vienna Cancer and Thrombosis Study (CATS). J Clin Oncol. 2009 Sep 1;27(25):4124-9.
  4. Vormittag R, Simanek R, Ay C, Dunkler D, Quehenberger P, Marosi C, Zielinski C, Pabinger I. High factor VIII levels independently predict venous thromboembolism in cancer patients: the cancer and thrombosis study. Arterioscler Thromb Vasc Biol. 2009 Dec;29(12):2176-81.
  5. Ay C, Simanek R, Vormittag R, Dunkler D, Alguel G, Koder S, Kornek G, Marosi C, Wagner O, Zielinski C, Pabinger I. High plasma levels of soluble P-selectin are predictive of venous thromboembolism in cancer patients - results from the Vienna Cancer and Thrombosis Study (CATS). Blood. 2008 Oct 1;112(7):2703-8.
  6. Ay C, Tengler T, Vormittag R, Simanek R, Dorda W, Vukovich T, Pabinger I. Venous thromboembolism  - a manifestation of the metabolic syndrome. Haematologica 2007 Mar;92(3):374-80.
  7. Ay C, Jungbauer LV, Sailer T, Tengler T, Koder S, Kaider A, Panzer S, Quehenberger P, Pabinger I,  Mannhalter C. High Concentrations of Soluble P-Selectin Are Associated with Risk of Venous Thromboembolism and the P-Selectin Thr715 Variant. Clin Chem. 2007 Jul; 53(7):1235-43.

Kontakt
Priv.-Doz. Dr. Cihan Ay
Universitätsklinik für Innere Medizin I
Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien

T.: +43 (0)1-40400-4410
Fax: +43-1-40400-4030
E-Mail: cihan.ay@meduniwien.ac.at 
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