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November 2007 | Florian Fitzal

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ao. Univ.-Prof. Dr. Florian Fitzal

Florian Fitzal

MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, November 2007

Die Jury "Researcher of the Month" verleiht die Auszeichnung für diesen Monat Herrn Univ. Prof. Dr. Florian Fitzal aus Anlass der Publikation "Breast-conserving surgery for T3/T4 breast cancer: An analysis of 196 patients" im Top-Journal Breast Cancer Research Treatment 2007(3). In dieser Publikation wird an einem repräsentativen Patientengut retrospektiv gezeigt, dass auch große und fortgeschrittene Tumoren keine absolute Kontraindikation für eine brusterhaltende Therapie (BET) darstellen. Die prämierte Arbeit konnte auf Basis der seit 15 Jahren bestehenden Datenbank des Brustkrebszentrums an der Klinischen Abteilung für Allgemeinchirurgie (Leiter:Univ.Prof.Dr.R.Jakesz) der Universitätsklinik für Chirurgie zeigen, dass kein Unterschied zwischen den Patientinnen nach Mastektomie und solchen mit brusterhaltenden Operationen im Stadium pT3/pT4 im Hinblick auf das Auftreten eines Lokalrezidivs sowie des Gesamt- und krankheitsspezifischen Überlebens besteht.

Mastektomie versus brusterhaltende Therapie (BET)
Die Inzidenz des Mammakarzinoms steigt kontinuierlich an. Derzeit gibt es in Österreich ungefähr 5000 Neuerkrankungen pro Jahr. Die Früherkennung durch Screening-Unterschungen und die verbesserten Therapieansätze haben jedoch erfreulicherweise zu einer sinkenden Letalität geführt. Die chirurgische Therapie ist unverändert ein wesentlicher Teilbereich der Gesamttherapie, die sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend in Richtung brusterhaltende Techniken geändert hat. Die Basis dafür sind prospektive und retrospektive Studien welche zeigen konnten, dass die brusterhaltenden Operationstechniken der Mastektomie, also der Totalamputation der Brust, onkologisch gleich gestellt sind. Der Vorteil der BET liegt im kosmetischen und lebensqualitativen Bereich.

An der Klinischen Abteilung für Allgemeinchirurgie der MUW wird bereits in 90 % eine BET durchgeführt, während der internationale Durchschnitt, auch in speziellen Zentren, bei etwa 75 % liegt. Hauptkontraindikation für eine BET stellt in erster Linie ein großes Karzinom dar, bei dem die Brust-Tumor-Relation kein für die Patientin zufriedenstellendes kosmetisches Ergebnis nach einer BET erwarten, bzw. keine Resektion im Gesunden erlauben lässt. Die Datenlage zur Größe ist aus onkologischer Sicht derzeit auf 5 cm beschränkt. Es gibt derzeit nur wenige Daten zur BET bei Karzinomen, welche über 5 cm (pT3) groß sind beziehungsweise die Haut infiltrieren (pT4).

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Therapie des Mammakarzinoms hat an der Medizinischen Universität in Wien eine lange erfolgreiche und international anerkannte Tradition. Seit über 15 Jahren wird eine prospektive Datenbank geführt, deren retrospektive Aufarbeitung zum Thema BET bei Hautinfiltration beziehungsweise bei Karzinomen >5 cm von Prof. Florian Fitzal unter der Leitung von Univ. Prof. R. Jakesz und Univ. Prof. M. Gnant durchgeführt wurde. Dabei wurden die Studienpatientinnen retrospektiv in 2 Gruppen eingeteilt. Bei einer Gruppe war eine Mastektomie durchgeführt worden (n=142), bei der anderen eine BET (n=54). Beide Gruppen wurden auf Risikofaktoren, wie Lymphknotenbefall und Tumorbiologie untersucht und als gleichwertig eingestuft. Kaplan-Meier-Kurven zeigten keinen Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen im Lokalrezidiv-freien Zeitraum (4 % in den ersten 20 Monaten in beiden Gruppen) und im Gesamtüberleben (74 % in den mastektomierten vs. 89 % in der Gruppe mit BET). Auch das krankheitsspezifische Überleben war nicht signifikant unterschiedlich (93 % in mastektomierten vs. 94 % in BET Patientinnen).

Diese retrospektive Studie unterstützt die prospektiven Daten, bei denen die Mastektomie mit der BET bei Patientinnen mit einem Mammakarzinom unter 2 cm beziehungsweise unter 5 cm verglichen wurde. Auch diese Studien konnten keinen Überlebensvorteil für Patientinnen mit Mastektomie zeigen. Die vorliegende prämierte Studie ist die größte retrospektive Untersuchung in der internationalen Literatur und erlaubt den Schluss, dass auch bei größeren Karzinomen unter Einhaltung der kompletten mikroskopisch gesicherten Entfernung des Karzinoms (R0-Resektion) eine BET möglich ist.

Wissendschaftliches Umfeld
Univ. Prof. Dr. Florian Fitzal ist seit 2002 Mitarbeiter in der "Austrian Breast and Colorectal Study Group (ABCSG)", einer österreichweiten, international hoch angesehenen Studiengruppe unter der derzeitigen Leitung von Univ. Prof. Dr. M Gnant (Leiter der Abteilung für Chirurgisch- Experimentelle Onkologie an der Abteilung für Allgemeinchirurgie der MUW). Die rezenten Arbeiten von Prof. Fitzal sind in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit universitären und außeruniversitären Zentren (Univ. Prof. Dr. G. Steger, Abt. für Innere Medizin I, Dr. M. Rudas, Abt. für Pathologie, Univ. Prof. Dr. L. Handl-Zeller, Abt. für Strahlentherapie, Univ. Prof Dr. M. Deutinger, Abt.für Plastische Chirurgie KH Rudolfsstiftung, sowie Univ. Prof. Dr. T. Helbich, Klinik für Radiodiagnostik) entstanden. Eine internationale Zusammenarbeit zur Erstellung von Softwareprogrammen zum Thema "Brustsymmetrie" besteht mit der Arbeitsgruppe um Dr. M.J. Cardoso von der Universität Porto in Portugal.

Persönliches
Univ.-Prof. Dr. Fitzal, geboren 1974, beendete sein Medizinstudium an der Universität Wien 1998 (Dissertation: New approaches to interfere with gut-derived endotoxemia and NO formation). Seit 1999 ist Prof. Fitzal an der Abteilung für Allgemeinchirurgie der MUW tätig. 2006 erwarb er das Facharztdiplom, im selben Jahr wurde ihm die Venia docendi und der Amtstitel eines ao. Univ. Prof. zuerkannt. Seit dem Jahre 2001 beschäftigt sich Prof. Fitzal mit der chirurgischen und onkologischen Therapie des Mammakarzinoms und konnte in den letzten Jahren mehrere Arbeiten in international angesehenen Journalen publizieren (1-7). Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt ist die Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms und im Besonderen die Techniken der BET und die entsprechenden onkoplastischen Rekonstruktionsmöglichkeiten. Das Grundlagenwissen dafür eignete er sich bei Gastaufenthalten an in- und ausländischen, auf die onkologische Brustrekonstruktion- spezialisierten Abteilungen an. Prof. Fitzal hat zahlreiche Leistungs-, Forschungsstipendien und Preise erhalten, unter anderem den "Theodor Billroth Preis" der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie (als Co-Author) und den "Young Investigator Award" der Amerikanischen und später auch der Europäischen Shock Society.Prof. Fitzal absolvierte mehrere wissenschaftliche Auslandsaufenthalte, vorrangig in den USA. Hervorzuheben ist ein Max Kade Stipendium, welches ihm einen Forschungsaufenthalt in San Diego CA, USA am Department für Bioengineering, ermöglichte.

Literatur

  1. Fitzal F, Sporn EP, Draxler W, Mittlböck M, Taucher S, Rudas M, Riedl O, Helbich TH, Jakesz R, Gnant M. Preoperative Core Needle Biopsy does not Increase Local Recurrence Rate. In Breast Cancer Patients. Breast Cancer Res Treat. 2006; 97(1):9-15
  2. Fitzal F Breast conservation: evolution of surgical strategies. Breast J. 2006 Sep-Oct;12 Suppl 2:S165-73.
  3. Fitzal F, Riedl O, Wutzl L, Draxler W, Rudas M, Pluschnig U, Handl-Zeller L, Dubsky P, Bachleitner-Hofmann TH, Steger G, Jakesz R, Gnant M. Breast-conserving surgery for T3/T4 breast cancer: An analysis of 196 patients. Breast Cancer Res Treat 2007, 103:45-52
  4. Fitzal F, Krois W, Trischler H, Wutzel L, Kühbelböck U, Wintersteiger B, Riedl O, Jakesz R, Gnant M, Wild T. The use of a breast symmetry index for objective evaluation of breast cosmesis. The Breast Aug;16(4):429-35 2007
  5. Fitzal F, Mittlböck M, Trischler H, Krois W, Nehrer G, Deutinger M, Jakesz R, Gnant M. Breast conserving surgery for centrally located breast cancer. Ann Surg 2007 accepted in press
  6. Fitzal F, Nehrer G, Riedl O, Hoch D, Gutharc S, Deutinger M , Jakesz R, Gnant M. An oncoplastic procedure for central and medio-cranial breast cancer. Eur J Surg Oncol 2007, epub ahead of print in press
  7. Fitzal F, Riedl O, Jakesz R Local therapy of early breast cancer. Breast Care 2007 2:143-148

Kontakt
ao. Univ.-Prof. Dr. Florian Fitzal
Univ.-Klinik für Chirurgie
Klinische Abteilung für Allgemeinchirurgie
1090 Wien

florian.fitzal@meduniwien.ac.at